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Apfel aus Deutschland oder Neuseeland?

Bio-Apfel aus Neuseeland oder konventioneller Apfel aus Deutschland: Welcher Apfel ist nachhaltiger?

Bald ist Erntezeit! Wer bewusst und ökologisch einkauft, dem ist wohl klar, dass ein deutscher Bio-Apfel eine bessere Ökobilanz besitzt als ein konventionell produzierter Apfel aus Deutschland. Aber wie sieht es bei einem Bio-Apfel aus Neuseeland gegenüber einem heimischen konventionellen Apfel aus? Welcher der Äpfel kann den Öko-Vergleich für sich gewinnen? Hier gibt es eine klare, konkrete und kurze Antwort auf diese Frage.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Blog der Nachhaltigkeitsexpertin Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Entscheidungen der Nachhaltigkeit, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Sind regionale Äpfel klimafreundlicher?

  • Vorab: Ein Apfel aus Deutschland ist nicht per se klimafreundlicher als ein Apfel aus Neuseeland. Das liegt daran, dass deutsche Äpfel nach der Ernte im Herbst monatelang im Kühlhaus lagern. Die Lagerung benötigt viel Energie und verursacht CO2-Emissionen.

  • Heimische Äpfel sind allgemein NUR in der Zeit von ihrer Ernte im September bis Mai klimafreundlicher. Durchschnittlich kommt der einheimische Apfel pro Kilogramm auf 4,4 Megajoule Energieverbrauch (inklusive 1 Megajoule Kühlhaus-Lagerung), der neuseeländische auf 6,3 Megajoule (inklusive 2,8 Megajoule Schiffstransport). Der deutsche Apfel verbraucht also in der Zeit kurz nach seiner Ernte, in der keine Lagerung nötig ist, ein Drittel weniger Energie als der neuseeländische Apfel.

  • Zur Zeit ihrer Saison stoßen die deutschen Äpfel etwa 300 Gramm CO₂-Äquivalente* aus. Das ist vergleichsweise wenig, Fleisch verzeichnet zum Beispiel eine etwa zehnmal höhere Bilanz. Ein Kilo Äpfel aus Neuseeland kommt unterm Strich hingegen schon auf 800 Gramm CO₂-Äquivalente.

*300 Gramm CO2 oder die Menge andere Treibhausgase, deren
Klimawirksamkeit der von 300 CO2 entspricht.

Wann sind Äpfel aus Übersee klimafreundlicher?

  • Ab Juni bis zur neuen Ernte im September sind Äpfel aus Neuseeland klimafreundlicher als Äpfel aus Deutschland. Die Ökobilanz kippt zugunsten der ausländischen Variante. Die monatelange Lagerung im Kühlhaus verbraucht mehr Energie als der Transport um die halbe Welt. Allerdings lässt sich die Ökobilanz pauschal nicht völlig eindeutig belegen. Man weiß ja nicht, wie lange die Äpfel in Neuseeland bereits lagern, bis der Transport nach Deutschland erfolgt. Grundsätzlich dauert die Apfel-Ernte in Neuseeland von Mitte Februar bis Anfang Mai.

  • Am ökologischsten ist es, in den Sommermonaten zwischen Juni und Ende August, in denen keine Äpfel geerntet werden, gänzlich auf den Kauf von Äpfeln zu verzichten und andere regionale Früchte vorzuziehen.

  • Der Kauf von Äpfeln in Bio-Qualität ist unabhängig vom Herkunftsort sinnvoll, da konventionelle Landwirte meist chemische Pestizide und Dünger verwenden. Diese belasten die Landökosysteme und Gewässer vor Ort und sind in der Bio-Landwirtschaft verboten.

Was beeinflusst die Ökobilanz beim Apfelkauf noch?

  • Darüber hinaus ist es für die Klimabilanz wichtig, mit welchem Verkehrsmittel der Einkauf erfolgt. Ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto Einkaufen geht, macht einen Unterschied. Allein eine sechs Kilometer lange Einkaufsfahrt mit einem Mittelklasse-Benziner stößt etwa 960 Gramm CO2 aus und verbraucht 1,15 Megajoule Energie. Das ist fast die Hälfte der Energiemenge, die der vierwöchige Transport der Äpfel aus Neuseeland auf die Waage bringt. Mit dem Fahrrad kann man die Klimabilanz des eigenen Einkaufs also um ein Vielfaches verbessern.

Fazit: Apfel-Klimabilanz hängt vom Monat ab!

  • Deutsche Äpfel sind in ihrer Saison und eine gewisse Zeit der Lagerung (von September bis Mai) die ökologischste Wahl.

  • Bio-Äpfel aus Neuseeland sind in der restlichen Zeit (von Juni bis Ende August) nachhaltiger, da die Ökobilanz ihres Transports günstiger ausfällt als die energie- und emissionsintensive Lagerung der heimischen Äpfel in Kühlhäusern.

  • Aus ökologischer Sicht am sinnvollsten: Zur Ernte-Saison ab September deutsche Äpfel kaufen, von November bis Mai weniger, aber auch deutsche gelagerte Äpfel kaufen und außerhalb dieser Zeit auf anderes saisonales Obst umsteigen!

https://www.dlr-rheinpfalz.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/f3b02579753cf01fc12574ea003ea950/57448A10F058B164C12579EA0023B28C/$FILE/PAS%20Innofrutta%2004_07_IF_Titelstoy.pdf

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/18639-rtkl-klimabilanz-von-obst-warum-regionale-aepfel-nicht-besser-sein

https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/umwelt-apfel-regional-neuseeland-100.html

https://www.ifeu.de/fileadmin/uploads/Reinhardt-Gaertner-Wagner-2020-Oekologische-Fu%C3%9Fabdruecke-von-Lebensmitteln-und-Gerichten-in-Deutschland-ifeu-2020.pdf

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/tipps-fuer-den-einkauf-von-aepfeln-warum-manche-aepfel-gesuender-sind-als-anderere-1.1534777-4

https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/Mundraub_Apfel_Factsheet.pdf

https://nzpocketguide.com/apple-picking-season-in-new-zealand/


Tina Teucher hält regelmäßig Vorträge zu den aktuellen Megatrends, zu nachhaltigem Wirtschaften und Zukunftskompetenz. Als Sustainable Matchmaker hat sie Einblick in die unterschiedlichsten Branchen und verbreitet die vielversprechendsten Nachhaltigkeits-Ideen. Sie gibt Workshops und berät Firmen und NGOs, um ihre Geschäftsmodelle und Strukturen zukunftsfähig zu gestalten. Tina Teucher publiziert unter anderem zu den Themen CSR und Digitalisierung.


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