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Papiertüte, Plastiktüte, Jutebeutel oder Baumwolltasche: Was ist am ökologischsten?

Die Beutel-Frage: Sind Papiertüten, Plastiktüten, Baumwolltaschen oder Jutebeutel umweltfreundlicher?

Jeder kennt’s: Nach der Arbeit eben noch ein paar Lebensmittel oder Geschenke besorgen. Mist, Einkaufstasche vergessen! Zu welcher Art von Tüte greift man nun am besten? Zum vermeintlich nachhaltigen, aber teuren Jutebeutel? Ist es vielleicht doch umweltverträglicher, eine Papiertüte zu nehmen? Und wie schneidet die Plastiktüte im Vergleich ab? Hier gibt es eine klare, konkrete und kurze Antwort auf diese Frage.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Nachhaltigkeitsblog von Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Dilemmata der Nachhaltigkeit, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Welche Beutel die nachhaltigsten sind

Wie bei so vielen Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeit gilt auch bei diesem Thema: Es kommt darauf an!

Baumwollbeutel und Jutesack: Langlebig, aber CO2-intensiv

  • Baumwoll- und Jutebeutel spielen zwar in dieser spontanen Situation seltener eine Rolle. Sollten sie jedoch in der Taschenauswahl auch bereitliegen und man wiegt sich mit dem hochgelobten Stück Naturfaser in Sicherheit, ist Vorsicht geraten. Es scheint tatsächlich relevant, einen Moment innenzuhalten und sich dabei die Frage zu stellen: Werde ich diesen Beutel öfter benutzen, oder wird es eher darauf hinauslaufen, dass die nächste Einkaufssituation ebenso unvermittelt geschieht? Bei einmaligem Einsatz sind sowohl Baumwollbeutel als auch Jutesack nämlich alles andere als nachhaltig.
  • Baumwolle: Die konventionelle Produktion von Baumwolle verbraucht große Mengen an Wasser und stößt viel CO2 aus – so werden bei der Herstellung eines Baumwollbeutels 1.700 Gramm des Klimagases frei. Hersteller setzen außerdem Pestizide ein, die Ökosystemen und Arbeiter*innen vor Ort schaden.
  • Da die Naturfaser Jute auf tropisches Klima angewiesen ist, wächst sie nur in weit entfernten Ländern. Der Kauf von Jutebeuteln bedeutet also zwangsläufig, dass lange Transportwege nötig sind – und die geben viel CO2 in die Atmosphäre ab. Jute ist – wie Baumwolle – ebenfalls biologisch abbaubar.
  • Der Stoffbeutel muss mindestens 100-mal zum Einsatz kommen, damit er in der Ökobilanz gegenüber einer Einweg-Plastiktüte bestehen kann.
  • Bei der Produktion von konventionellen Naturfasern sind die Arbeitsbedingungen für die Menschen vor Ort häufig sehr schlecht und in vielen Fällen gefährlich. Baumwoll- und Juteprodukte sollten daher besser aus kontrolliert biologischem Anbau und fairem Handel stammen.

Die Papiertüte: Abbaubar, aber schnell beschädigt

  • Die Papiertüte besteht überwiegend aus langen Zellstofffasern, die Produktionsbetriebe mit Wasser und Energie behandeln müssen. So benötigt die Herstellung einer Papiertüte fast 3-mal mehr Energie und 17-mal mehr Wasser als die einer Plastiktüte.
  • Die Herstellung einer Papiertüte setzt aber nur etwa 60 Gramm Kohlenstoffdioxid frei – die Hälfte von der einer Plastiktüte.
  • Allerdings setzen Hersteller*innen neben viel Wasser und Energie Chemikalien für bessere Reißfestigkeit ein, die Luft und Umwelt belasten können. Trotz dieser aufwendigen Behandlung kann übermäßige Feuchtigkeit zur Zerstörung der Papiertüte führen – das macht sie nicht besonders langlebig.
  • Dennoch ist die bessere Umweltverträglichkeit gegenüber einer Einwegplastiktüte schon nach dreimaliger Verwendung gegeben.
  • Zusätzlich hat die Papiervariante durch ihre bessere biologische Abbaubarkeit gegenüber Plastik im Falle einer unsachgemäßen Entsorgung einen Vorteil. Mehr zur Entsorgung und Verwertung von Plastik zeigt dieser Blogbeitrag.

Plastik: Haltbar, aber umweltschädlich

  • Wenn keine der Alternativen für den einmaligen Gebrauch neben der Plastiktüte bestehen kann, lieber doch zum altbewährten Plastik greifen? Rund 70 der Tüten aus Polyethylen (PE), welches auf Erdöl basiert, verbraucht jeder Deutsche im Jahr.
  • Dabei ist die Herstellung einer Plastiktüte aus Neugranulat verantwortlich für etwa 120 Gramm CO2.
  • Werfen wir einen Blick auf die Haltbarkeit von Plastik und den Zustand unserer Gewässer und Meere, merken wir: Die unsachgemäße Beseitigung der Plastiktüte stellt die größte Herausforderung dar, da sie sich mehrere Hundert Jahre hält und dann lediglich zu Mikroplastik zerfällt. Wenn die Tüte allerdings richtig entsorgt wird, ist das in Deutschland eher kein Argument gegen ein Plastiktüte.

Fazit: Tüten so oft wiederverwenden, wie möglich!

An folgende Faustregeln kann man sich beim Einkaufen grundsätzlich halten, um wertvolle Ressourcen zu sparen:

  1. Den Kauf von neuen Tüten möglichst vermeiden! Mal ehrlich: Passen die Lebkuchen oder die zwei Birnen nicht doch noch in die Jacken- oder Handtasche?
  2. Einkaufstüten unabhängig vom Material so oft wie möglich wiederverwenden!
  3. Einen festen Platz im Rucksack oder der Handtasche für eine Einkaufstasche reservieren und sie immer gleich wieder dorthin „aufräumen“, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. So braucht man nicht mehr aktiv daran denken.

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/19125-rtkl-plastikvermeidung-warum-baumwollbeutel-nicht-immer-besser-sind-als

https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/umwelt-plastik-papier-tuete-100.html

https://www.heartland.org/publications-resources/publications/life-cycle-assessment-of-supermarket-carrier-bags

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/alltagsprodukte/19463.html

https://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/05/Plastiktueten

https://utopia.de/news/sind-papiertueten-besser-als-plastiktueten/

https://utopia.de/ratgeber/jute-das-steckt-hinter-der-naturfaser/

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Tueten-aus-Plastik-Baumwolle-und-Papier-im-Vergleich,einkaufstueten100.html


Als Kulturwissenschaftlerin und Absolventin des MBA Sustainability Management setzt sich Tina Teucher mit Megatrends wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung auseinander. Als Mitglied des Think Tank 30, dem jungen Think Tank der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und des erweiterten Vorstands von B.A.U.M. e.V. engagiert sie sich für gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation. Sie begleitet Unternehmen in nachhaltigen Veränderungsprozessen und inspiriert online und live in Vorträgen und Workshops rund um das Thema Nachhaltigkeit.
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