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Klimaschutz Durch Klicks: Wenn Webpräsenz Sich Doppelt Lohnt

Klimaschutz durch Klicks: wenn Webpräsenz sich doppelt lohnt

Webseiten klimaneutral stellen: Wie das funktioniert und warum es so bitter nötig ist.


Das Internet ist verantwortlich für 2 Prozent der weltweiten CO2 Freisetzung. Das mag auf den ersten Blick lediglich wie ein sehr kleines Stück der Emissionstorte klingen; bei genauerer Betrachtung sind die klimatischen Folgen aus „den paar Klicks“ aber weitreichend.

Beginnen wir mit einer kurzen Rechenaufgabe. Wir sitzen abends noch ein bisschen vor dem PC. Schnell mal was nachschauen. Aus diesem „schnell“ werden dann doch ein paar Seitenaufrufe mehr. Ein paar Minuten später sind wir bei 20 Google-Anfragen. Eine Suchanfrage verbraucht ca. 0,3 Watt-Stunden. Eine warme Energiesparlampe in etwa 6 Watt. Von unseren wenigen Klicks brennt eine Energiesparlampe also eine ganze Stunde lang.

Ein paar mehr Beispiele gefällig? Das Bundesumweltamt gibt an, dass pro Seitenaufruf 15 Gramm CO2 ihren Weg in die Atmosphäre finden. Im Jahr entstehen dadurch 33 Millionen Tonnen Emissionen, die allein auf die Informations- und Telekommunikationstechnik zurückgehen – Tendenz steigend.

Aber wo genau entsteht dieser immense Verbrauch, der uns beim fröhlichen googeln von Katzenvideos so gar nicht bewusst ist?

Große Rechenzentren oder Serverfarmen sind zusammenhängende physische Strukturen, die die natürlichen Ressourcen verbrauchen. Sie haben oft eigene Umspannwerke, zum Teil produzieren sie ihren Strom sogar in privaten Kraftwerken. Die Rechenzentren in Frankfurt wenden beispielsweise mehr Energie auf als Deutschlands größter Flughafen – ansässig in derselben Stadt. Die größten Stromfresser sind dabei die Kühlsysteme mit rund einem Drittel des Verbrauchs, weswegen beispielsweise Google 2011 ein Datenzentrum im kalten Finnland eröffnete. Diese Zahlen zeigen, dass die „virtuellen“ Einsen und Nullen des Internets durchaus physisch messbar unsere Welt verändern.

Klimaschutz-Dienstleister analysieren diese Zahlen und bieten Webseitenbetreibern an, die Emissionen aus dem Stromverbrauch ihrer Homepage auszugleichen.

Klar, die durch die Internetnutzung entstandenen Emissionen sind direkt oder indirekt schon in die Atmosphäre gelangt. Ob wir wollen oder nicht, ob wir Nachhaltigkeit googlen oder nach Langstreckenflügen suchen. Verantwortung dafür kann man dennoch übernehmen. So ist es z.B. mit natureoffice  möglich, die Emissionen, die durch Betrieb und Hosting einer Website entstehen, zu kompensieren. Egal, ob es sich dabei um spiegel.de oder die Seite eines kleines Start-Ups handelt.

Die Klickraten der Website tinateucher.com verursachen beispielsweise nur ca. 50kg CO2. Das auszugleichen mag lächerlich erscheinen. Doch der Hebel, mit dem natureoffice arbeitet, wirkt durch seinen ganzheitlichen Ansatz: durch die Kopplung der „Kompensation mit der Unterstützung sozialer Projekte, macht eine Klimaneutralstellung gleich doppelt Sinn“. Der eigentliche Emissionsausgleich findet durch zertifizierte Klimaschutzprojekte statt. Dafür kommen die Standards VCS, REDD+ und CCBS zum Einsatz (zu CO2-Ausgleichsanbietern und Standards siehe Blogbeitrag „CO2-Emissionen: Kompensationsanbieter im Vergleich“).  

Gleichzeitig ermöglicht das PROJECT TOGO plus von Natureoffce ein regionales Engagement in Westafrika. Als Webseitenbetreiber kann man selbst entscheiden: 100 Bäume pflanzen, ein Fahrrad spenden oder den Solarstrombedarf des Versammlungshauses im Dorf Abouzokope für einen Monat decken. Heraus kommt ein Zertifikat, das die Kompensation der CO2-Emissionen bestätigt und damit Website-Besucher auf die Problematik hinweist.

Wie kann ich als Privatperson umweltbewusster surfen?

Wer keine Webseite betreibt, aber seinen ökologischen Fußabdruck beim Surfen dennoch so klein wie möglich halten will, kann dennoch einiges tun. Die Suchmaschine Ecosia stellt eine umweltfreundliche Alternative zu Google dar: Die Server laufen mit 100% erneuerbaren Energien. Jede Suchanfrage bindet 1kg CO2 aus der Atmosphäre – durch Baumpflanzungen. So finanzieren 50 Suchen einen Baum. Die durch Anzeigen gewonnenen Einnahmen fließen direkt in Aufforstungsprojekte in der ganzen Welt. Außerdem bewusstseinsweckend ist die Seite der Netzkünstlerin Joana Moll. Sie zeigt in einem Live-Ticker die Menge CO2, die Google-Anfragen weltweit gerade verursachen.

Diese Seite als Erinnerung nebenher einmal offen zu lassen ist mit Sicherheit ein erster Schritt zu mehr Bewusstsein über die Klimafolgen, die das Internet hinter sich herzieht. Und wenn die Zeit es zulässt: ein wenig „back to the basics“ schadet niemandem. Wieder in die verstaubten Kochbücher anstatt auf chefkoch.de schauen, Rechtschreibung im Duden ohne „.de“ nachschlagen oder wieder einmal das wandelnde Wikipedia aka Oma befragen… und schon wird die persönliche Emissionstorte Gabel für Gabel kleiner.

Tina Teucher moderiert und konzipiert Veranstaltungen und Workshops zu Nachhaltigkeit und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen. Als Autorin, Beraterin und Speakerin für nachhaltiges Wirtschaften und CSR diskutiert sie mit Unternehmen die Megatrends, die die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft bestimmen. Verbindendes Element dafür sind die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Tina Teucher engagiert sich als Teil des erweiterten Vorstands vom B.A.U.M. e.V., sowie als Mitglied des Think Tank 30 und ist Mitbegründerin von Transition München.

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