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Wassersparen

Wasserhahn abdrehen oder nicht: Müssen die Rohre wirklich durchgespült werden?

Man hört es von Kindesbeinen an: „Dreh den Wasserhahn ab, um Wasser zu sparen“. Gleichzeitig liest man in den Medien: „Wasserrohre müssen gut durchgespült werden, damit sich keine Keime bilden“. Was denn nun? Wasser sparen oder doch lieber großzügig Rohre durchspülen? Hier gibt es eine klare, konkrete und kurze Antwort auf diese Frage.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Nachhaltigkeitsblog von Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Nachhaltigkeitsdilemmata, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Ist Wassersparen im Haushalt sinnvoll?

Wir Deutschen haben das Wassersparen verinnerlicht. Kaum ein anderes Industrieland verbraucht pro Kopf so wenig Wasser wie Deutschland. Deutschland ist ein wasserreiches Land. Nur ein Bruchteil (ca. 3%) der Regenmenge fließt in Haushalte, der Rest zurück in den Wasserkreislauf. Aber durch unsere alternde Bevölkerungsstruktur und immer effizientere Armaturen haben wir ein Problem: Das Trinkwasserversorgungs- und Abwassernetz sowie die Aufbereitung des Wassers in den Wasserwerken und Kläranlagen sind überdimensioniert – denn sie wurden zu Zeiten geplant, als man Deutschland einen linear ansteigenden Verbrauch vorhersagte. Heutzutage passen die Infrastruktur und die tatsächliche Verbrauchsmenge nicht mehr zusammen.

Was heißt der sinkende Wasserverbrauch für die Nachhaltigkeit?

  • Aufgrund des sinkenden Wasserverbrauchs und der überdimensionierten Infrastruktur fließt das Wasser in einigen Regionen Deutschlands zu langsam durch die Rohre. Dadurch können sich Keime bilden, nicht weggespülte Ablagerungen können Fäulnisgestank hervorrufen und es kann zu Korrosion und Schäden in den Rohren kommen. In manchen Gegenden steigt zudem der Grundwasserspiegel an und drückt in die Häuser, weil zu wenig Grundwasser entnommen wird.

  • Ein Rückbau des gesamten Wasserversorgungsnetzes wäre sinnvoll, aber ist zu teuer. Für die Wasserversorger ist es deshalb tatsächlich „günstiger“, die Rohre und Kanäle mit Trinkwasser regelmäßig durchzuspülen.

Soll man beim Zähneputzen den Wasserhahn abdrehen?

  • Es ist paradox: Wasser sparen macht Wasser teurer. Die Gesamtkosten der Versorgung bestehen vor allem aus den Fixkosten für die Rohrnetze und sind unabhängig von der Wassermenge. Wenn die Haushalte Wasser sparen, müssen die Wasserwerke den Preis pro Kubikmeter erhöhen. Das spornt die Haushalte erst recht zum Sparen an und das erhöht die Preise – es entsteht eine Preisspirale.

Fazit: Wasser absichtlich verschwenden?

  • Natürlich soll man Wasser nicht in rauen Mengen verschwenden. Allerdings muss man Wasser in Haushalten in Deutschland nicht eisern rationieren. Für Leitungswasser ist es günstiger, wenn man nicht zu sparsam damit umgeht – denn wenn es fließt, ist die Qualität besser und die Rohre bleiben intakt.

  • „Wasser marsch“ gilt allerdings nur für wasserreiche Länder mit sinkendem Wasserverbrauch wie Deutschland und auch hier nur für Haushalte und kaltes Wasser:
    • Um der Umwelt etwas Gutes zu tun, ist es sinnvoll, weniger Warmwasser zu nutzen, da zum Aufheizen viel Energie verbraucht wird.
    • Der größte Teil des privaten Wasserverbrauchs entfällt auf die Bewässerung von Gärten. Für eine möglichst effiziente Bewässerung sollte man beispielsweise Regenwasser für die Bewässerung sammeln und bei Hitze lieber nicht tagsüber gießen, um unnötige Verdunstung zu minimieren.

Wasser ist und bleibt ein kostbares Gut

  • Selbst im wasserreichen Deutschland tritt bereits Wasserknappheit auf: Auch wenn Trinkwassermangel bis auf einzelne lokale Ausnahmefälle bisher kein Problem darstellt, waren in den letzten Jahren in vielen Talsperren und in einzelnen Grundwasserstockwerken kaum noch Wasserreserven vorhanden. Extremwetterereignisse wie Dürren werden in Zukunft extremer – daher müssen wir in Bezug auf Wasservorräte vorsichtig bleiben.

  • Zudem sollten wir viel mehr auf das „versteckte oder virtuelle Wasser“ achten, das in den Produkten steckt, die wir kaufen: Wenn wir zum Beispiel ein Kilo Kaffeebohnen kaufen, verbrauchen wir damit auch ca. 20.000 Liter Wasser – und das oft in Gegenden, in denen Wasser eine knappe Ressource darstellt. Auch unsere Lust auf Blumen ist davon betroffen: Rosen, die aus Kenia kommen, verbrauchen zwar weniger Energie und stoßen weniger CO2 aus, als Rosen aus europäischen Gewächshäusern. Allerdings ist die Blumenzucht in Kenia unglaublich wasserintensiv – der tägliche Wasserverbrauch pro Farm beträgt etwa 20.000 Kubikmeter. Je mehr wir regional und saisonal einkaufen, desto weniger tragen wir dazu bei, dass in trockenen Ländern Wasser für die wichtigsten Grundbedürfnisse fehlt.

https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/wasser-sparen-umwelt100.html

https://www.zeit.de/2012/14/Wasserversorgung

https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2018/04/wie-sinnvoll-ist-wassersparen

https://utopia.de/ratgeber/wasserknappheit-trinkwassermangel-deutschland/

https://www.dstgb.de/publikationen/positionspapiere/aktives-wassermanagement-erforderlich/

https://www.rnd.de/bauen-und-wohnen/wasser-sparen-im-garten-regenwasser-bewasserungssysteme-richtig-giessen-so-gehts-KRSC5ZWSNRDPND6HG5WTC4TFIM.html

https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/006Wasserrisiko_Fallbeispiel_Schnittblumen_aus_Kenia.pdf


Tina Teucher unterstützt als „Sustainable Matchmaker“ nachhaltige Projekte dabei, ihre Ideen zu verbreiten, zu wachsen, zu skalieren und zu multiplizieren. Dabei begeistert sie durch die Kunst des Gastgebens, innovative Tools und faszinierende Details. Ihr umfangreiches Hintergrundwissen in unterschiedlichen Themenfeldern des Megatrends Nachhaltigkeit – wie nachhaltiges Bauen, erneuerbare Energien oder nachhaltige Investments – ermöglicht es Tina Teucher, vielfältige Lösungen sichtbar zu machen und Impact für Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen.


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