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Wasser-Rückhalte-Landschaften Tamera

Wasser ist Leben – Welche Techniken das Klima schützen

Wasser ist das Element des 21. Jahrhunderts: Wie lässt sich verhindern, dass das sanfte Nass aggressiv wird – zu viel als Fluten, zu wenig als Dürren? Prinzipien und Techniken aus erfolgreichen Projekten zeigen Lösungen, die hier und jetzt Anwendung finden können.


AGUA NA TERRA - TRAILER

Tina Teucher nahm im Juli 2022 an einem Kurs zu „Water Retention Landscapes“ (Wasserrückhaltelandschaften) im Öko-Dorf Tamera in Portugal teil – in einer der trockensten Regionen Europas. Wesentliche Erkenntnisse daraus zeigt der folgende Überblick.

Bildung unter Korkeichen: Water Retention Landscapes Kurs in Portugal. (Foto: Pierre Michael)

Wasser ist Leben:

  • Menschen bestehen zu 70% aus H2O.
  • Pflanzen und Tiere leben von Wasser.
  • Der Wasserkreislauf prägt das Weltklima.
  • Der gestörte Wasserkreislauf verändert das Weltklima ungünstig für menschliches Leben.
  • Den Wasserkreislauf wieder „rund“ zu kriegen ist daher aktiver Klimaschutz.

Statt uns über Wasser zu ärgern, können wir es ernten und für uns nutzen. Denn naturgemäßes und dezentrales Wassermanagement ermöglicht Aufforstung, gesunde Böden und Landwirtschaft – sogar in Regionen, die von Wüstenbildung bedroht sind.

Der Wasserkreislauf, wie er eigentlich sein sollte

Vollständiger Wasserkreislauf (Bild: Tamera, inspiriert von Viktor Schauberger)

Der Zyklus des Wassers verläuft in gesunden Kreisläufen:

  • Wasser wird durch die Kraft der Sonne aus dem Meer, aus Flüssen und Seen in die Luft gezogen und kondensiert an winzigen Partikeln zu Wolken (Evaporation, Kondensation).

  • Pflanzen speichern viel Wasser in ihren Blättern, Wurzeln und im Boden. Selbst abgestorbene Pflanzenteile speichern Feuchtigkeit: 1 Quadratmeter Deckschicht mit organischem Abfall von Bäumen speichert 5 Liter Wasser.  

  • Bäume „schwitzen“ über ihre Blätter Wasser aus, das ebenfalls Wolken bildet (Evapotranspiration).

  • Die Wolken regnen Wasser über dem Land ab, das vom Boden sowie Pflanzenwurzeln wieder aufgenommen wird und in tiefere Schichten als Grundwasser einsickert. Teils kommt es als Quellen wieder an die Landoberfläche.

  • Ein Teil des Wassers fließt durch Bäche und Flüsse ins Meer.

Der gestörte Wasserkreislauf, wie er heute größtenteils aussieht

Unterbrochener Wasserkreislauf
Unterbrochener Wasserkreislauf (Bild: Tamera, inspiriert von Viktor Schauberger)

Im unterbrochenen Wasserkreislauf gibt es mehrere Störfaktoren:

  • Städte und große Gebäude an der Küste verhindern, dass Wolken ins Landesinnere ziehen können. Es kommt kaum Regen ins Land. Die Wolken, die die „Wand aus Beton“ durchbrechen, sind sehr groß und können zu Regenfällen führen, die das Land überfluten.

  • Die Abholzung von Bäumen sorgt dafür, dass weniger Wurzelmasse im Boden ist – er kann Wasser schlechter aufnehmen und speichern. Das Wasser fließt ungehindert und stark beschleunigt hangabwärts.

  • Die Abholzung von Bäumen führt außerdem dazu, dass weniger Pflanzen Wasser abgeben und sich so weniger Wolken bilden.

  • Kanäle begradigen und verengen die Flüsse. Dies beschleunigt den Wasserlauf zusätzlich und begünstigt Überflutungen. Große Staudämme unterbrechen ebenfalls den natürlichen Wasserfluss.

  • Die konventionelle Landwirtschaft setzt das wenige übrige Wasser zur künstlichen Bewässerung ein und vergiftet das Grundwasser mit Pestiziden (Pflanzengiften).

  • Der Grundwasserspiegel sinkt, weil weniger Wasser als Regen das Land erreicht bzw. dort gespeichert wird. Quellen versiegen.

  • Damit Menschen dennoch an Wasser für ihre Versorgung und Industrie herankommen, bohren sie immer tiefere Löcher in den Boden, was den Grundwasserspiegel zusätzlich absinken lässt.

  • Im Extremfall steigt der Meeresspiegel in Küstennähe über den Grundwasserpegel – das Trinkwasser für ganze Städte wird versalzen und muss aufwändig aufbereitet werden.

  • Der gebrochene Wasserkreislauf verändert das regionale und globale Klima. Ein Beispiel: Dürren sorgen für Waldbrände, die CO2 aus Bäumen in die Atmosphäre freisetzen. Das führt zur Klimaerhitzung. Daher gilt: Naturnahes Wassermanagement ist aktiver Klimaschutz.

„Die Menschheit besitzt das Wissen, wie Wüsten und Halbwüsten wieder in lebendige Landschaften mit fließenden Wasserläufen verwandelt werden können. In den meisten Fällen ist Wüstenbildung kein natürlicher Vorgang, sondern das Ergebnis eines weltweit falschen Wassermanagements. Wüsten entstehen nicht durch Mangel an Regen, sondern weil die Menschheit das Wasser falsch behandelt.“

Tamera

Schlüssel-Gedanken des Wasser-Managements:

  • „Wasser ist das fehlende Glied für die Umkehrung des Klimawandels.

  • Wasserautonomie ist möglich – in unserer Region und überall auf der Erde.

  • Die Restauration natürlicher Wasserkreisläufe ist der erste und unersetzliche Schritt für die Restauration von Ökosystemen und die Grundlage für Selbstversorgung.

  • Wo immer du bist: Sieh zu, dass Regenwasser nicht mehr ungenutzt abfließt, sondern stattdessen das Grundwasser anreichert.“ (Quelle: Tamera)

Prinzipien der Wasserretention: Wie lässt sich Wasser auf einer Fläche „managen“?

Eine Wasserretentionslandschaft lässt möglichst kein Regenwasser vom Grundstück abfließen, sondern hält es – der Erdboden nimmt das Wasser auf. Er reinigt, reift und mineralisiert es. Dann kann es als Quelle wieder an die Oberfläche treten oder durch Pflanzen in die Luft abgegeben werden.

Jeder, der Flächen wie Felder, Gärten oder Grundstücke hat oder für sie Mitverantwortung trägt, kann dazu beitragen, den Wasserkreislauf zu reparieren bzw. zu heilen. Zu den Möglichkeiten zählen:

  • Für Vegetation und Wurzelmasse sorgen, um die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens zu verbessern. Also zum Beispiel Bodendecker und Bäume pflanzen.

  • Entsiegeln, wo möglich. Also zum Beispiel unnötige Parkplätze und Zufahrten sowie Flachdächer begrünen.

  • Prinzipien für Wasser-Rückhaltung (Retention) befolgen

Wer Land hat, kann folgende Prinzipien für Wasser-Rückhaltung anwenden:

1. Beobachten
2. Oben beginnen
3. Klein anfangen
4. Verlangsamen, ausbreiten, einsickern lassen
5. Überlauf planen
6. Lebendigen Schwamm erzeugen
7. Funktionen kombinieren
8. Rückkopplungsschleifen
9. Vom Muster zum Detail

1) Beobachten

Mindestens ein Jahr sollte der Beobachtung des Landes dienen, um alle Jahreszeiten zu erleben, zu lernen und die lokalen Gegebenheiten zu erkennen:

  • Klima
  • Landschaft
  • Vegetation
  • Boden

Fragen, die man sich dafür stellen kann, sind z.B.:

  • Wie hoch ist mein durchschnittlicher jährlicher Regenfall (in mm)? Wie viel Liter Wasser könnte ich also potenziell auf meiner Fläche (mit x m2) „einfangen“?

  • Wer beispielsweise in Brandenburg lebt, mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 500mm/Jahr (entspricht 500 Liter pro Quadratmeter im Jahr) und eine Fläche von 1 Hektar (10.000 Quadratmeter) hat, dessen Land hat theoretisch 5.000.000 (5 Mio.) Liter Wasser zur Verfügung. Eine ganze Menge! Wenn man es nur nutzen könnte. Dazu gleich mehr.

  • Welche öffentlichen Daten zu Klima, Boden usw. stehen zur Verfügung?

  • Welche weiteren Wasserquellen (z.B. Bäche) gibt es auf meinem Land?

  • Wo kommt mein Wasser her? Wohin fließt es ab?

  • Welches Gefälle, welche Hanglage gibt es auf meinem Land?

  • Wo befindet sich mein Land innerhalb des Wassereinzugsgebiets (an der Quelle, neben dem Altarm eines Flusses, im Mündungsgebiet…)?

  • Welche Pflanzen wachsen hier natürlicherweise und was sind ihre Bedürfnisse hinsichtlich des Wassers?

  • Welche Kultur ist auf dem Land üblich? Welche (alten oder modernen) Techniken kamen zur Anwendung? (z.B. Terrassen, die vor Erosion schützen können)

  • Was wissen Nachbarn, Eltern, Großeltern über Traditionen und Geschichten rund um das Land und sein Wasser? (z.B. gehen die Namen von Städten und Brücken oft auf die Wasser-Situation zurück)

Ein Plan hilft: Wie ist mein Land beschaffen? Wo fließt wie das Wasser? (Foto: Anett Shabani)

2) Oben beginnen

Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserretention sollten oben im Wassereinzugsgebiet (am „Berg“ bzw. in Hanglage) beginnen. Von da kann man sich den Weg nach unten „erarbeiten“.

3) Klein und einfach anfangen

Es geht nicht darum, gleich einen riesigen See anzulegen. Vielmehr können bereits kleine Erdarbeiten sehr effektiv sein. Sie vorzunehmen, ihre Effekte zu beobachten und gegebenenfalls anzupassen ist der Schlüssel zum Erfolg.

4) Verlangsamen, ausbreiten und einsickern lassen

Damit Wasser uns nicht ungenutzt wegläuft (Dürre) oder bestimmte Stellen überflutet (Hochwasser), können wir es „aufhalten“. Ziel ist dabei, seinen Lauf zu verlangsamen, es möglichst breit zu verteilen und in die Erde einsickern zu lassen, um den Grundwasserspiegel zu erhöhen. Dafür gibt es verschiedene Techniken, die weiter unten erklärt sind.

Unbefestigte Fahrwege wieder aufzufüllen, hilft dabei, den Wasserfluss bei Regenfällen zu verlangsamen und Erosion zu vermeiden. (Foto: Pierre Michael)

5) Überlauf planen

Das Wasser findet seinen Weg. Wenn ein Becken oder Einzugsgebiet „voll“ ist, läuft es über. Aber wo, das lässt sich steuern – indem man Hochwasser vorausschauend vorbereitet und einen Überlauf plant. Von diesem aus kann der Wasserfluss in die gewünschte Richtung gelenkt werden – z.B. zu weiteren Becken, die bepflanzt sind und deren Pflanzen die Feuchtigkeit dankbar aufnehmen.

6) Lebendigen Schwamm erzeugen

In einem gesunden Biotop funktioniert der Boden wie ein Schwamm: Seine oberste Humusschicht nimmt das Regenwasser auf und gibt es an die Erde ab. Die Beschaffenheit des Bodens entscheidet darüber, wohin das Wasser fließt. Verdichteter Boden lässt es schneller abfließen. Aufgelockerter Boden hilft dagegen beim Einsickern, was Wurzeln von Pflanzen mit Wasser versorgt und den Grundwasserstand auffüllt. Dort, wo der Boden zu sandig ist und Wasser zu schnell zu tief versickert, gilt es, Boden aufzubauen. Das gelingt am besten durch Pflanzen, ihre Wurzeln und tote Pflanzenteile wie abgestorbene Blätter, die zu Humus kompostieren. Ziel ist es, dem Boden dabei zu helfen, ein lebendiger Schwamm zu werden, der möglichst viel Wasser aufnehmen kann.

7) Funktionen kombinieren

Mit jeder Maßnahme lässt sich mehr erreichen als nur Wasser zu „ernten“. Besonders wenn damit die Vegetation gestärkt wird. Ein Wasserbecken kann zum Beispiel ein schöner Anblick sein, ein Gefühl von Fülle und Reichtum nähren, ein Spielplatz für Kinder und eine Tränke für Vögel und Insekten sein.

8) Rückkopplungsschleifen

Das Land gibt Feedback: Es reagiert auf die Veränderungen. Wichtig ist, das System immer neu zu beobachten und zu bewerten. Ein besonderer Moment ist der erste Regenfall nach einer Veränderungsmaßnahme: Rausgehen und beobachten, was das Wasser macht! Wo fließt es entlang, welche Wege sucht es sich, wo sammelt und staut es sich, wo sickert es ein?

9) Vom Muster zum Detail

Wer einen Schritt zurück tritt, erkennt Muster – in der Natur, aber auch in der Gesellschaft. Solche Muster bilden das Rückgrat eines landschaftlichen Designs, das mit immer mehr Details aus den kontinuierlichen Beobachtungen angereichert wird.

Die Prinzipien werden im Detail beschrieben in Büchern wie

  • Brad Lancester: Rainwater Harvesting for Drylands and Beyond.
  • Bill Mollison: Permaculture design handbook.
Baumschule in Portugal: Neue Vegetation zu pflanzen hilft, Regenwasser zu halten. (Foto: Alfonso Zamarro Junquera)

Techniken der Wasserspeicherung: Wie Wasser auf dem Grundstück bleibt

Um Wasser auf der eigenen Fläche zu halten, gibt es einige Maßnahmen. Gleichzeitig sorgt ihre Anwendung dafür, den Wasserkreislauf zu schließen, zu reparieren, zu heilen.

Wer Gebäude und Flächen zur Verfügung hat, sollte so viel wie möglich Wasser von da in Speicherbehälter ableiten. Diese können unterirdisch liegen oder als Regentonnen aufgestellt sein. Zudem lässt sich „Grauwasser“ – also Abwasser von Dusche, Waschbecken und Waschmaschine – in die umgebende Vegetation ableiten. Voraussetzung dafür ist die Nutzung von ökologischen Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln.

Zu den Wasserrückhaltetechniken durch Erdarbeiten gehören:

  • Gefälle
  • Mulchen und Säen
  • Bermen auf Höhenlinien
  • Versickerungsbecken
  • Senken (Swales)
  • Dämme
  • Terrassen
  • Tiefenlockerung mit Fräse
  • Tiefgründige Bearbeitung mit Pflugschar
  • Wasserrückhaltebecken

Für alle Erdarbeiten gilt: Wer Boden bewegt, sollte ihn direkt im Anschluss schützen, durch Mulch und Vegetation! Sonst besteht die Gefahr der Austrocknung durch die direkte Sonneneinstrahlung oder der Erosion durch Wind und Wasser.

Gefälle

Je steiler der Hang, desto kleiner sollten die Konstruktionen sein: Die Erdarbeiten sollten bei stärkerer Neigung des Hangs entsprechend schmaler sein, und umso mehr von ihnen benötigt man.

Dadurch entstehen sanftere Hänge und Böschungen, die es der Vegetation ermöglichen, Wurzeln zu schlagen und die Erdarbeiten zu stabilisieren.

Mulchen und Säen

Wieder begrünen!

Jede geöffnete Erdstelle gilt es zu schließen. Nackter Boden wird durch organisches Material bedeckt. Für die Bepflanzung am besten lokales Saatgut mit tiefen Wurzeln wählen, das den Boden schnell bedecken kann. Mit einheimischem Heu arbeiten, denn darin sind bereits einheimische Samen enthalten.

Mulchen ist das A und O: Die Erdarbeiten (links im Bild) sind mit Stroh abgedeckt, um den Boden vor Austrocknung und Erosion zu schützen. (Foto: Pierre Michael)

Bermen entlang von Höhenlinien

Eine Berme ist ein horizontales Stück an einem Hang. Wenn man sie entlang der gleichen Höhenlinien am Hang anlegt, kann sich das vom Hang abfließende Wasser verlangsamen und einsickern. Um noch mehr Wasser zurückzuhalten, am besten organisches Material in die Berme einbringen und auf der Oberseite oder in der Mulde selbst bepflanzen.

Versickerungsbecken

Jeder Baum freut sich über eine kleine Wassermulde, in der sich das Wasser staut.

Senken (Swales)

Swales kann man sich vorstellen wie kleine Mulden oder Vertiefungen. Solche sanften Gräben entlang der Höhenlinien an einem Hang bilden kleine Wellen in der Landschaft, wie kleine Schlangen. Sie lassen sich von Hand graben, mit Schaufel, Bagger, Traktor oder Pflug. Als grüner Gürtel bilden sie ein eigenes Mikroklima in ihrer Umgebung – eine gute Stelle, um Bäume zu pflanzen.

Freiwillige beim Anlegen von Senken – englisch Swales. (Foto: Pierre Michael)

Dämme

Ziel eines Damms ist es, das Wasser in einem Graben, Bach oder Fluss zu verlangsamen, den Graben anzuheben und die Erosion aufzuhalten. Denn vor allem in begradigten Kanälen reißt das schnell fließende Wasser viel Material mit sich. Ein Rückhaltedamm kann aus verschiedensten Materialien bestehen, je nach dem, was vor Ort vorhanden ist: Steine, Holzstämme oder –pfähle, Strohballen oder Reisig von Sträuchern.

Damm mit Reisig: Der Bach ist im Sommer leer – ideale Bedingungen, um einen Damm für die Regenzeit zu bauen. (Foto: Tina Teucher)
Damm mit Holzscheit und Steinen. (Foto: Tina Teucher)
Damm aus Stroh – aufwändig, aber effektiv. (Foto: Pierre Michael)

Der Effekt: Angeschwemmte Sedimente füllen den Damm auf, der Bach wird angehoben, das Wasser wird gebremst. Wichtig ist auch hier – wie bei allen Erdarbeiten – einen Abfluss zu planen.

Terrassen

Eine Terrasse ist ein horizontal ebenes Stück am Hang, ähnlich einer Berme, aber meist breiter. Der Terrassenbau ist relativ energieintensiv – man braucht dazu Planierraupen oder Bagger. Die Terrasse kann hangabwärts geneigt sein oder in Richtung des Hügels, letzteres wirkt wie eine kleine Senke im Hügel, in der man Samen aussähen kann. Auf felsigem Boden lohnt sich der Terrassenbau oft nicht. Wichtig ist, auch die neu geschaffene Terrassen-Fläche mit organischem Material aufzufüllen, um sie vor Erosion zu schützen.

Tiefes Pflügen mit Fräse

Das tiefe Pflügen mit einer Fräse (Aufreißmaschine) bricht den harten Boden auf, um das Pflanzen zu erleichtern. Auch hier ist es wichtig, vorher die Höhenlinien auszumessen und dann an ihnen entlangzuarbeiten.

Tiefe Bodenbearbeitung

Mit einem Tiefenlockerer wird der Boden ab ca. 30 cm Tiefe mechanisch aufgebrochen. Das ist vor allem dann angebracht, wenn der Unterboden stark verdichtet ist, sodass Wurzeln schlecht wachsen können und Wasser sich aufstaut. Diese Technik findet abseits der Höhenlinien statt. Das Gerät dafür nennt sich „Keyline Plow“, ein Pflug zur Anwendung des Keyline Designs nach P.A. Yeomans.

Wasserrückhaltebecken

Obwohl Teiche und Seen zu bauen am verlockendsten wirkt, ist diese Maßnahme mit Vorsicht zu genießen. Sie erfordert die meiste Technik und bildet den größten Eingriff in die bestehende Landschaft. Zudem errichtet man sie sinnvollerweise unten am Hang – aber eins der Prinzipien von Water Retention Landscapes lautet: Beginne oben. Das sieht man heute auch im Vorzeigeprojekt Tamera so, wo zwar wunderschöne Seen (offiziell: Wasserretentionsbecken) angelegt wurden, aber jetzt vor allem weiter oben am Gefälle gearbeitet wird.

Wasserrückhaltebecken in Tamera, Portugal. (Foto: Tina Teucher)
Für den Bau von Seen, Teichen und Wasserrückhaltebecken sind schwere Maschinen nötig. (Foto: Tim Vögelin)

Das Wasser als Metapher: Eine Krise der Beziehungen

Ohne die Vorteile eines funktionierenden Wasserkreislaufs überfluten oder vertrocknen ganze Ökosysteme – und mit ihnen leiden auch die Menschen. Denn intakte Ökosysteme sind Lebensraum, auch für die Spezies homo sapiens.

Immer mehr Aktivist*innen weltweit setzen sich daher für Heilung und Reparatur des Wassers ein. Dabei geht es längst nicht nur um technische Lösungen, wie sie oben dargestellt sind. Eine der Gründerinnen der „Standing Rock“ Bewegung für indigene Wasserrechte in North Dakota sagt: Die ökologische Krise ist kein technologisches Problem, sondern eine Krise der Beziehungen.“ Die dominierende europäische Kultur sieht Natur als Gegenstück zur Kultur. Natur ist etwas, das gezähmt, zivilisiert, aufgeräumt werden muss. Es ist der Versuch, Trost zu finden, indem man andere kontrolliert. Doch es ist kein Zufall, dass wir eine nie zuvor dagewesene Krise der mentalen Gesundheit und psychischen Belastungen erleben, gleichzeitig mit dem Massenaussterben von Arten und dem weltweiten Verlust der ökologischen Vielfalt. Beides geht einher mit einem tiefen Gefühl von Verarmung und Verlust. “Die Art und Weise, wie wir die ökologische Krise verstehen, wird darüber entscheiden, wie wir auf sie reagieren“, sagen die Macher des Films „Water is love“ in einem Trailer.

Ökosysteme und Kreisläufe verstehen: Bildungsangebote wie der Water Retention Landscapes Kurs in Tamera holen die Teilnehmenden aus der Ohnmacht und geben Wissen und Werkzeuge für praktische Maßnahmen. (Foto: Joel Barros)

Das Wasser ist ein Wesen: Mit Seele, Erinnerung und Weisheit

Wie übernehmen wir Verantwortung für das Land?
Wie können wir unsere Privilegien nutzen, um das System zu verändern?
Wie werden wir zu guten Vorfahren?

Ein Schlüssel kann darin liegen, das scheinbar Unbelebte als Leben zu respektieren und zu behandeln. Ein Lied auf Portugiesisch spiegelt diese Haltung wider:

A agua é um sé
Té alma
Té memoria
Té sabé

(Das Wasser ist ein Wesen. Es hat eine Seele, es hat Erinnerung, es hat Weisheit)

Water is Love | Water Cycle Animation | Trailer
WATER is LOVE - Crowdfunding

Mehr zu Wasserretentionslandschaften
https://www.tamera.org/de/wasserretentionslandschaft/

Nächste Gelegenheit, um am Kurs teilzunehmen
16.-19.09.2022, Kurzeinführung
https://www.tamera.org/events/introduction-to-water-retention-landscapes-september-2022/

Starker Youtube-Kanal von Silvano Rizzi, Dozent aus dem Ökologie-Team von Tamera
https://www.youtube.com/channel/UCx1LPKiJtTfmX1k-p4sLpPg

Kampagne gegen ein Staudammprojekt in der portugiesischen Region Alentejo
https://www.gofundme.com/f/proteja-o-pnsacv

Titelbild: Bearbeitet by Team TNT, Originalfoto: Tim Vögelin


Tina Teucher ist Speakerin und Moderatorin mit dem Schwerpunkt Zukunftsfähigkeit und regeneratives Wirtschaften. Sie bringt als Nachhaltigkeitsexpertin über 12 Jahre Erfahrung in Themen wie grüne Innovationen und Unternehmensethik in ihre Arbeit ein. 2022 setzt sich Tina Teucher vor allem für die Wiederherstellung von Ökosystemen ein und möchte internationale Akteure im Rahmen der Initiative „Generation Restoration“ zusammenbringen. Sie ist Autorin des Buchs „Biodiversität verstehen und Entscheidungsträger*innen informieren“ und berichtet auf ihrem Blog über ihre Besuche an regenerativen Orten.


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