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Honig Bienenfreund oder Bienenfeind

Honig: Bienenfreund oder Bienenfeind?

Ist Honig essen gut für den Bienenschutz oder schadet der Konsum den Sechsbeinern? Was denn nun? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick, ob es aus ethischen und ökologischen Gründen sinnvoll ist, Honig zu konsumieren. Hier gibt es eine klare, konkrete und kurze Antwort auf diese Frage.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Blog der Nachhaltigkeitsexpertin Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Nachhaltigkeitsdilemmata, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Honig essen oder lieber nicht?

Der Frühling ist mittlerweile endgültig in unseren Breitengraden angekommen. Das heißt auch, die Bienen stellen fleißig Honig her. In Bezug auf die Nachhaltigkeitsbilanz von Honig sind die Konsumenten oft unsicher: Unterstützt der Konsum die Ausbeutung der Bestäuber oder bewahrt er ihr natürliches Ökosystem?

Welche Auswirkungen hat der Konsum von Honig auf unsere Bienen?

Contra: Ethische Argumente gegen Honig

Gegen den Honigkonsum spricht das zentrale Argument: „Bienen werden in der Honigindustrie für den wirtschaftlichen Profit der Imker ausgebeutet“.

  • Laut Landwirtschaftsministerium liegt der Pro-Kopf-Verzehr von Honig in Deutschland mit über einem Kilo pro Jahr weltweit an der Spitze. Daher müssen ca. 70-80 % des Honigs importiert werden, zumeist aus Asien, den USA, Spanien, Bulgarien und Südamerika. Dies ist ein großes Problem, denn gerade der importierte Honig kommt oft von riesigen, ausbeuterischen „Honigfarmen“. Dort werden die Honigbienen Opfer von unnatürlichen Lebensbedingungen, genetischer Manipulation und stressvollen Transporten und Behandlungen (z.B. Räuchern, um den Honig zu entnehmen). Diese Farmen behandeln die Tiere unachtsam und ersetzen unproduktive Bienen schnell. Teilweise stutzen sie die Flügel von Bienenköniginnen, damit diese am Bienenstock bleiben.
  • Auf der anderen Seite gibt es viele verantwortungsvolle (Bio-)Imker, die ethisch vertretbar mit den kleinen Tieren umgehen. Hier gibt es wie bei jedem Lebensmittel bedeutsame Unterschiede. Bio-Imker lassen ihren Bienen zum Beispiel zum Überwintern genügend eigenen Honig und ernten das, was über den Eigenbedarf der Bienen hinausgeht.

Pro: Ethische Argumente für Honig

Das zentrale Argument für den Honigkonsum ist: „Wir brauchen Honig, damit wir Bienen haben, um unsere Pflanzen zu bestäuben“. Würde es keine Insekten mehr geben, würde unser Ökosystem zusammenbrechen. Imker werden daher oft als die Bewahrer der Natur betrachtet.

  • Zuerst einmal müssen wir differenzieren, von welchen Bienen wir reden. Es gibt zwei wichtige Unterarten der Bienen: die Honigbienen und die Wildbienen.

  • Die heutigen Honigbienen, die generell als „die Blütenbestäuber“ schlechthin gelten, sind hochgezüchtete, fremdländische Rassen, die eigentlich so nicht in der Natur vorkommen. Sie verdrängen nach und nach unsere wildlebenden Bienen, schleppen Krankheiten ein und sind im Vergleich mit den Wildbienen deutlich ineffizienter beim Bestäuben. Auch andere Insekten wie bestimmte Fliegen und natürlich Schmetterlinge spielen für die Bestäubung eine wichtige Rolle.

  • Die gezüchteten Honigbienen könnten heute nicht mehr ohne Imkerei in Deutschland überleben, da es in den üblichen Wirtschaftswäldern an geeigneten Nistplätzen fehlt und sich kein Volk über eine längere Zeit gegen den Befall der Varroa-Milbe schützen könnte. Imker sind deshalb wichtig für die Honigbienen. Zudem bilden viele Imker gleichzeitig eine Lobby für Bienen – Honig- und Wildbienen! – und sind gegen den Einsatz von Insektiziden, was auch anderen Tieren zugutekommt.

  • Die Haltung von Honigbienen sichert in jedem Fall einen Teil der zur Nahrungsproduktion notwendigen Bestäubung, allerdings ist „die Natur“ nicht zwingend auf die Bestäubungsleistung der Honigbiene angewiesen. Dagegen braucht die Umwelt die Wildbienen umso dringender. Wenn wir also von „Bienenschutz“ sprechen, sollten wir damit nicht den „Honigbienenschutz“ meinen, sondern in erster Linie den Erhalt der Wildbienen und Insekten allgemein. Doch ein großer Teil der unverzichtbaren Wildbienen-Völker ist bedroht und steht auf der sogenannten roten Liste. Wir brauchen ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass wir vor allem Wildbienen beschützen müssen.
Aussterben Wildbienen
Ein Großteil der über 560 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht.
Grafik: Schwartauer Werke / bee careful

Fazit: Weniger Honig essen, dafür hochwertig und artgerecht

  • Wir Deutschen essen zu viel Honig, weswegen so viel importiert wird. Daher gilt generell: Lieber weniger Honig konsumieren, dafür hochwertigen, möglichst regionalen und aus biologischer Hersteller!

  • Importhonig aus dem Ausland ist meist hochproblematisch und sollte man unbedingt vermeiden. Der Umgang mit den Bienen ist in der Regel nicht artgerecht, nicht respektvoll und daher nicht akzeptabel. Daher besser auf die deutsche Variante zurückgreifen.

  • Wenn Honig bei den richtigen Menschen (z.B. bei deutschen Bio-Imkern) und im richtigen Maß gekauft wird, kann man dies aus ethisch-ökologischer Sicht vertreten.

  • Beim „Bienenschutz“ ist es wichtig, nicht (nur) die Honigbienen, sondern vor allem die bedrohten, einheimischen Wildbienen zu schützen.

  • Einen ebenso großen Beitrag zum Schutz von Wildbienen leisten auch unzählige alternative Maßnahmen wie zum Beispiel das Aufstellen von Wildbienenhotels oder das Aussäen insektenfreundlicher Pflanzen.

https://www.peta.de/honig

http://www.taz.de/!145225/

https://www.bee-careful.com/de/bienenleben/wildbienen/

https://mehralsgruenzeug.com/ist-honig-vegan/

https://www.rote-liste-zentrum.de/

https://www.bee-careful.com/de/bienenleben/wildbienen/


Tina Teucher ist Autorin des Buchs Biodiversität, das als Handbuch für Entscheider*innen einen umfassenden Überblick über die Biodiversität und ihre Rolle für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gibt. Sie moderiert regelmäßig Veranstaltungen und Diskussionen zu Themen enkeltauglicher Entwicklung und Ökologie. Als Sustainable Matchmaker kombiniert sie ihre Expertise im Bereich Wirtschaft mit ihrer Leidenschaft und langjährigen Erfahrung in den Bereichen Zukunft, Megatrends und grüne Innovationen. 2022 setzt sie sich vor allem für die Wiederherstellung von Ökosystemen („Ecosystem Restauration“) ein.


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