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Büro und Homeoffice: Wie geht's nachhaltig?

Wie geht Nachhaltigkeit im Büro und Homeoffice?

Drucker anlassen oder ausschalten? Geräte reparieren oder effiziente neue kaufen? Video-Meeting oder Treffen in Person? Was können Mitarbeiter und Unternehmen tun, um ihren Arbeitsalltag im Büro und Homeoffice nachhaltiger zu gestalten? Hier gibt es klare, konkrete und kurze Antworten auf diese Fragen.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Blog der Nachhaltigkeitsexpertin Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Dilemmata bezüglich Nachhaltigkeit, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Nachhaltigkeit ist als einer der bedeutendsten Megatrends des 21. Jahrhunderts längst in der Arbeits- und Wirtschaftswelt angekommen. Das Büro ist hierbei oft der naheliegendste Punkt für Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsbilanz zu verbessern. Doch auf was kann und sollte man achten? Welche Schritte für mehr Nachhaltigkeit im Büro können Mitarbeiter einfach selbst umsetzen? Hier gibt es klare Antworten auf häufige Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit im Büro.


Wie man im Homeoffice und Büro nachhaltiger arbeiten kann

Drucker nachts ausschalten oder anlassen?

  • Die meisten Drucker starten beim Einschalten jedes Mal einen Druckkopf-Reinigungslauf, bei dem viel Energie und Tinte verbraucht wird.
  • Für gesündere Druckköpfe, einen effizienteren Energie- und Tintenverbrauch und eine längere Lebensdauer des Druckers ist es also besser, den Drucker grundsätzlich eingeschaltet zu lassen. Der durchschnittliche Drucker im Standby-Modus verbraucht etwa 3 Watt Strom – weniger als ein typisches Nachtlicht.
  • Bei längeren Abwesenheiten (Urlaub, Betriebsferien, etc.) gilt aber: Drucker lieber ausschalten und von der Energieeinsparung profitieren!

Welche Druckerfarben und -patronen sind am nachhaltigsten?

  • Konventionelle Druckerfarben basieren auf Erdöl – die Herstellung verbraucht also wertvolle, endliche Ressourcen und verursacht CO2-Emissionen.
  • Die ökologisch vorteilhaftere Alternative sind natürliche Druckerfarben. Sie bestehen nicht aus Erdöl, sondern aus Pflanzen und sind zum Beispiel über memo.de erhältlich.
  • Wiederaufbereitete oder wiederbefüllbare Tonerpatronen (z.B. blooprint) sparen Plastikmüll und sind so eine weitere Möglichkeit, das Drucken nachhaltiger zu gestalten.
  • Nach der Benutzung können Verbraucher und Unternehmen leere Patronen auch an Aufbereiter verkaufen oder spenden (z.B. über geldfuermuell.de).

Konventionelles vs. Recycling-Papier: Welches ist die bessere Wahl?

  • Am nachhaltigsten: Weniger drucken und durch das Arbeiten mit digitalisierten Dokumenten möglichst viel Papier einsparen. Wenn es doch einmal nötig ist, dann am besten doppelseitig drucken und zu Recyclingpapier (Blauer Engel oder FSC-zertifiziert) oder Gras- oder Samenpapier (z.B. von Matabooks) greifen.
  • Außerdem darauf achten, Papier und Druckerpatronen richtig zu entsorgen: Verbraucher und Unternehmen sollten Papier über die Papiertonne und Druckerpatronen beim Wertstoffentsorger oder beim Hersteller in den Kreislauf zurückgeben, damit beides fachgerecht recycelt werden kann.

Geräte ausstecken, auf Standby setzen oder anlassen?

  • beim Herunterfahren des PC wird die Stromversorgung angeschlossener USB-Geräte nicht automatisch ausgeschaltet: Angeschlossene Geräte daher im Feierabend besser ausstecken!
  • Nur mal eben Pause machen? Der Ruhezustand bei den Betriebssystemen Windows und iOS verbraucht weniger Energie als der Standby-Modus – das lässt sich in den Systemeinstellungen des jeweiligen Gerätes einfach einstellen.
  • Die Einrichtung einer Zeitschaltuhr für den WLAN-Router spart Energie. Eine weniger aufwendige Alternative dazu ist, das WLAN über die Router-Software per Zeitschaltung nachts zu deaktivieren.

Elektrogeräte reparieren oder lieber neue, energieeffiziente Geräte kaufen?

  • Grundsätzlich gilt: Elektrogeräte immer reparieren statt neu kaufen (z.B. über kaputt.de) – das spart Ressourcen und nebenbei viel Geld!
  • Wenn ein Neukauf nötig ist, auf energiesparende Modelle achten (am besten Energieeffizienzklasse A+++) oder möglichst recyclingfreundliche oder aufbereitete Hardware anschaffen (z.B. über AFB oder Greenpanda).

Ist das Video-Meeting ökologischer als das Treffen in Person?

  • Die Bildübertragung bei Video-Meetings verfünffacht die Datenmenge pro Stunde und damit auch die Menge an klimaschädlichem CO2 – hier ist es sinnvoll, die Kamera auch mal auszulassen.
  • Aber: Video-Meetings sind immer noch klimafreundlicher als mit dem Auto zu einem Meeting zu fahren. Wenn die Distanz allerdings gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen ist, macht das Live-Treffen das Rennen.

E-Mails und Dokumente: Gerne mal ausmisten!

  • E-Mails sind umweltfreundlicher als Briefe, das Verschicken und Speichern einer durchschnittlichen E-Mail verbraucht aber trotzdem 4 Gramm CO2-Äquivalente, bei einer Mail mit großem Anhang sind es schon 50 Gramm.
  • Auch auf Spam-Mails trifft das zu: Weltweit beläuft sich der jährliche Energieverbrauch von Spam-Mails auf 33 Milliarden Kilowattstunden – das entspricht dem Stromverbrauch von 2,4 Millionen Haushalten und dem Ausstoß von Treibhausgasen von 3,1 Millionen Autos, die jährlich 2 Milliarden US-Gallonen Benzin verbrauchen.
  • Eine Spam-Filterung spart jährlich 135 Terrawatt Strom ein – das entspricht der Einsparung von 13 Millionen Autos auf der Straße!
  • Beim nächsten E-Mail-Versand also besser hinterfragen, ob es die Mail oder den großen Anhang wirklich braucht. Alte, unnötige Mails und Dokumente öfter mal löschen und unbedingt einen Spam-Filter einrichten.

Grüner vs. Konventioneller Strom:

  • 159 Mio. Tonnen CO2 können durch die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien eingespart werden – Unternehmen und Privatpersonen können also mit dem Umstieg auf grünen Strom viel zur Energiewende beitragen.
  • Das Grüner Strom-Label sowie das ok-power-Label garantieren zum Beispiel, dass durch den Ökostrombezug neue Anlagen aus regenerativen Energien wie Solarkraft, Windkraft, Wasserkraft oder Biomasse gefördert werden.
  • Auch Internet-Provider, E-Mail-Dienste und Suchmaschinen gibt es in „nachhaltig“. Eine nachhaltige Suchmaschine können Mitarbeiter beispielsweise unkompliziert selbst als Standard einstellen, z.B. Ecosia, mit der man bei jeder Suche Bäume pflanzt oder Gexsi, mit der man den Aufbau von Sozialunternehmen unterstützt.

Cloud-Dienste: Der Umstieg lohnt!

  • Mit Cloud Computing können Unternehmen auf eigene Server und Speichermedien verzichten – zentrale Rechenzentren benötigen aufgrund der besseren Auslastung weniger Hardware, weniger Strom und stoßen weniger CO2 aus.
  • Energie von Rechenzentren kann man darüber hinaus auch nutzen, indem man mit ihrer Computerabwärme Häuser heizt (z.B. mit Cloud & Heat).

Verpackungen: Mit welchen Materialien nachhaltiger Pakete versenden?

  • Bioplastik klingt erstmal nachhaltig, ist allerdings aus ökologischer Sicht keine wirklich sinnvolle Wahl.
  • Besser eignen sich Papier und Kartonagen aus organischen Materialien wie Gras, Heu, Strohfasern oder Pilzen – diese Ressourcen wachsen vollständig nach und sind kompostierbar, ihre Herstellung spart gegenüber konventionellen Papierprodukten CO2 und Wasser ein. Allerdings könnten Hersteller beim Anbau möglicherweise Pestizide und Düngemittel einsetzen. Zudem gehen dabei wertvolle Flächen für den Anbau von Lebensmitteln verloren.

Grundsätzliche Tipps zum nachhaltigen Verpacken und Versenden:

  • Produkte so klein wie möglich verpacken: Das benötigt weniger zusätzliches Füllmaterial und spart durch das geringere Gewicht CO2 beim weiteren Transport.
  • Für den Versand ist es sinnvoll, klimaneutrale Versandangebote (z. B. GoGreen von DHL) zu nutzen und so im Voraus für die Kompensation der klimaschädlichen Gase zu sorgen.
  • Nachhaltigkeits-Rangliste der verschiedenen Verpackungsarten:
    (1 = am nachhaltigsten; 6 = am wenigsten nachhaltig)
  1. Keine Verpackung
  2. Mehrweg-Behälter – egal ob aus Glas, Metall oder Plastik
  3. Einweg-Verpackungen aus Materialien wie Holz und Papier
  4. Einweg-Plastikverpackungen aus recycelten Materialien
  5. Einweg-Plastikverpackungen aus Neumaterial oder Bioplastik
  6. Einweg-Verpackungen aus Aluminium oder Glas

bei nachhaltigen Verpackungsmaterialien gilt es abzuwägen, ob es um maximale Recyclingfähigkeit oder eine möglichst große Einsparung von CO2 geht – beides zusammen funktioniert leider oft nicht.

Füllmaterialien:

  • Grundregel: Das beste Füllmaterial ist keines – Ware lieber in den kleinstmöglichen Behältern verpacken und unnötiges Füllen vermeiden!

Nachhaltige Alternativen zu Styropor und Luftpolsterfolie:

  • alte Zeitungen oder Altpapier
  • Seidenpapier
  • Holzwolle
  • umweltfreundliches Wellpolster
  • kompostierbare Luftkissen
  • nachhaltige Polsterchips

Anbieter nachhaltiger Verpackungen:

  • memo: Onlinehändler für nachhaltiges Büromaterial
    • nachhaltige Briefumschläge, Versandtaschen, Kartons, Packschnüre und -bänder und vieles mehr.
    • Möglichkeit des Versands in der „memo Box“: Kunden können sich Waren ohne Aufpreis in stabilen Mehrweg-Kisten zusenden lassen, die sie danach wieder zurückgeben können
  • creapaper: B2B-Anbieter von Papierverpackungen und Kartonagen aus getrocknetem Heu
  • ecoon: Verpackungen aus Gras, nachhaltiges Polster- und Füllmaterial
  • Repaq: 100% kompostierbare Folienverpackungen aus Holz
  • PAPACKS: nachhaltige Verpackungslösungen aus Faserguss, z.B. Formeinlagen und Ladungsträger
  • Landpack: umweltfreundliche Isolierverpackungen aus Stroh

Das wichtigste zum Schluss: nachhaltig Kaffee trinken

Ob Kaffee aus Kapseln oder Vollautomat oder doch der gute alte Filterkaffee nachhaltiger ist, erläutert der Blogbeitrag „Was denn nun? Filter, Kapseln oder Pads? Wie wird Kaffee umweltfreundlich?„. Die vielerorts geliebten Kaffeekapseln sind leider meist aus Aluminium. Diesen Werkstoff bespricht dieser Blogbeitrag.

Vorbilder für nachhaltige Büros: Wettbewerb Büro & Umwelt

Der Wettbewerb Büro & Umwelt von B.A.U.M. (dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften) zeichnet Organisationen aus, die ihren Arbeitsplatz ökologisch gestalten. Die Website zur Auszeichnung gibt nützliche Tipps, zeigt Praxisbeispiele und lädt ein, selbst zum Pionier für ein nachhaltiges Büro zu werden.

https://plant-values.de/nachhaltigkeit-im-buero-26-tipps-von-einfach-bis-umfassend/9174/

https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/papier-altpapier-recycling-umwelt-100.html

https://www.br.de/radio/bayern1/email-co2-100.html

https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/elektrogeraete/oekostrom#gewusst-wie

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-06-17_texte_94-2021_green-cloud-computing.pdf

https://medium.com/@parthgarg19/what-if-deleting-emails-could-save-our-planet-8667584367ee

https://www.helpnetsecurity.com/2009/04/15/the-environmental-impact-of-spam/

https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-drucker-emissionsarm-sparsam-empfehlungen/

https://utopia.de/ratgeber/standby-die-wichtigsten-fakten/

https://utopia.de/ratgeber/druckerpatronen-entsorgen-toner-und-tintenpatronen-gehoeren-nicht-in-den-hausmuell/

https://utopia.de/ratgeber/umweltfreundlich-verpacken-und-versenden-so-gehts/

https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-verpackungen/

https://utopia.de/ratgeber/e-mails-loeschen-und-das-klima-schuetzen/

https://blog.ratioform.de/green-packaging-was-eine-nachhaltige-verpackung-ausmacht/

https://www.druckerpatronen-24.at/blog/sollten-sie-ihren-drucker-ein-oder-ausschalten.html

https://www.t-online.de/digital/id_85957576/nicht-am-falschen-ende-strom-sparen-diese-geraete-duerfen-nicht-vom-netz-.html

https://www.pc-magazin.de/ratgeber/klimaschutz-pc-handy-internetznutzung-3201091.html

https://www.macwelt.de/ratgeber/Energie-sparen-am-Mac-iPhone-und-iPad-10747974.html


Tina Teucher ist Moderatorin und Speakerin für nachhaltiges Wirtschaften. Sie hält Keynotes und publiziert über Sustainable Business, Corporate Social Responsibility (CSR) und grüne Innovationen. Ihre Mission: Die guten Lösungen, die es heute schon für ein lebenswertes Morgen gibt, bekannt machen. Zu ihren Kunden zählen sowohl internationale Konzerne, als auch mittelständische Unternehmen, Umweltorganisationen und Social Businesses. Als Mitglied im Gesamtvorstand von B.A.U.M. e.V. – dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften – vernetzt sie Menschen und Organisationen, die sich zukunftsfähig aufstellen wollen.


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