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Butter oder Margarine

Butter oder Margarine: Was soll beim Frühstück auf den Tisch?

Dass Butter aufgrund der benötigten Tierhaltung erstmal einen schlechteren CO2-Fußabdruck hat, ist den meisten ökologisch bewussten Menschen klar. Aber wie steht es um die Nachhaltigkeitsbilanz von regionaler oder Bio-Butter? Wie schneidet die pflanzliche Margarine mit Palmöl im Vergleich ab? Hier gibt es eine kurze und übersichtliche Antwort auf diese Frage.


Dieser Beitrag erscheint in der Reihe „Was denn nun?“ im Nachhaltigkeitsblog von Tina Teucher. Sie hinterfragt Alltagsthemen und Nachhaltigkeitsdilemmata, untersucht unterschiedliche Quellen und Erkenntnisse zum jeweiligen Thema und gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

Ethische Aspekte: Für Butter leiden Tiere

  • Die Butter, die die meisten Deutschen konsumieren, kommt aus der industriellen Massentierhaltung und ist mit viel Tierleid verbunden. Selbst für Bio-Butter trennen Bauern ihre Kälber kurze Stunden bis Tage nach der Geburt von ihren Müttern, um Hygienerichtlinien einzuhalten und mehr Milch verkaufen zu können. Nur Demeter verzichtet auf das schmerzvolle narkosefreie Enthornen von Kühen und verfolgt auf immer mehr Höfen die muttergebundene Kälberaufzucht. Das bedeutet, dass die Bauern die Kälber nicht mit Ersatzmilch ernähren und ihnen die Bindung zu ihrer Mutter sofort entreißen, sondern dass sie Kalb und Mutter zu geregelten Zeiten zueinanderlassen.

  • Zwischenfazit: Aus ethischer Sicht macht Margarine auf jeden Fall das Rennen. Jedoch gilt hier: lieber Demeter-Butter als konventionelle Butter oder Bio-Butter, bei der nicht bekannt ist, wie Bauern die Tiere behandeln.

Gesundheitliche Faktoren: Sind Butter-Fette oder Margarine-Fette gesünder?

  • In 100 g Butter sind 240 mg Cholesterin enthalten. Dies ist weniger als in Ghee, Eidotter, Innereien oder eierhaltigen Produkten (Mayonnaise, Biskuit etc.). Das ist allein kein Grund zur Sorge, denn der Cholesteringehalt der Ernährung führt nicht zwingend zu einem erhöhten Blutcholesterinspiegel. Obwohl Experten Butter nicht als essenziell für eine gesunde Ernährung halten, ist sie aus gesundheitlicher Sicht auch nicht schädlich – solange man hochwertige Butter konsumiert. Die Die Haltung und Fütterung der Kühe führt zu den Qualitätsunterschieden der Butter. Milch von Kühen, die auf der Weide leben und Gras oder Heu fressen, weist höhere Vitamin-K-Mengen und ein günstigeres Fettsäuremuster auf als Milch von Kühen, die Soja und Mais erhalten.

  • (Bio-)Margarine: Margarine ist ein industriell hergestelltes, stark verarbeitetes, künstliches Fett, weshalb Mediziner es nicht als besonders gesund betrachten. Im Bio-Margarine-Test von Utopia enthielten alle vier getesteten Bio-Margarinen Fettschadstoffe sowie MOSH (gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe) und POSH (gesättigte Kohlenwasserstoffe aus Kunststoffen). Diese Kohlenwasserstoffe reichern sich im Körper an und Mediziner können die daraus möglicherweise entstehenden gesundheitlichen Folgen noch nicht abschätzen. Drei der vier Bio-Margarinen hatten darüber hinaus ein ungünstiges ernährungsphysiologisches Verhältnis von ungesättigten und gesättigten Fettsäuren oder von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Das kann zu hohen Cholesterinwerten beim Menschen führen.

  • Zwischenfazit: Die Butter schneidet im Gesundheits-Vergleich besser ab als die Margarine, allerdings sollte man zu hochwertiger Butter greifen. Die gesündesten Fette sind dennoch kalt gepresste Bio-Öle, wie Lein-, Raps- oder Olivenöl oder Öl aus unbehandelten Bio-Nüssen. Auch selbstgemachte Margarine ist gesundheitlich förderlicher. Dazu Kokosöl mit einem Mixer streichbar machen oder bei schwacher Hitze mit einem anderen Öl wie z.B. Olivenöl vermengen.

CO2-Fußabdruck: Welche Klimabilanz haben Butter und Margarine?

  • Butter verursacht den größten Anteil der Treibhausgasemissionen unseres Lebensmittelkonsums. Die Produktion eines Kilogramms Butter emittiert fast 25 Kilo CO2, während die eines Kilos Margarine nur gut ein Kilo CO2-Emissionen nach sich zieht. Zum Vergleich: Rindfleisch ist mit 15 Kilo CO2 pro Kilogramm weniger klimaschädlich als Butter.

  • Grundsätzlich gilt: in Bezug auf den CO2-Ausstoß schneidet die Bio-Butter etwas besser ab als konventionell hergestellte Butter.

  • Regionalität verbessert die CO2-Bilanz der Butter in Bezug auf den Transport und eventuell in Bezug auf das Futter der Milchkühe, wenn dieses ebenfalls aus regionalem Anbau stammt. Dennoch schneiden auch hier pflanzliche Alternativen besser ab.

Palmöl in Margarinen: Umweltschädlich oder halb so schlimm?

  • Palmöl in Margarinen: Aus Umweltperspektive ist Palmöl per se kein schlechtes Öl. Denn keine Ölpflanze der Welt ist effektiver: ein Hektar Palmölplantage produziert vier bis sechs Tonnen Palmöl. Dafür brauchen Rapspflanzen die zweieinhalbfache Fläche und Soja sogar die sechsfache Fläche.
    • In konventionelle Margarinen stammt das Palmöl von Plantagen, für die der Regenwald gerodet werden muss. Bei den Brandrodungen gibt der Torf im Boden riesige Mengen CO2 in die Luft ab. Zudem werden auf den konventionellen Plantagen schädliche chemische Dünger und Pestizide eingesetzt. Hinzu kommt der hohe Biodiversitätsverlust – wenn zum Beispiel Schimpansen in Indonesien für unsere Produkte mit Palmöl ihren Lebensraum verlieren. So sind konventionelle Margarinen schädlich für Klima und Natur und sollten besser vermieden werden.
    • In Aspekten der Nachhaltigkeit schneiden die Bio-Margarinen sehr gut ab: Die Herkunft des Palmöls und Nachweise für die RSPO-Zertifizierung können Produzenten belegen. Jedoch nimmt der Anteil von bio-fair hergestelltem Palmöl nur ein Prozent der gesamten Palmölherstellung ein. In Deutschland sind es immerhin knapp vier Prozent, mit steigender Tendenz. Trotzdem scheint dieser Trend vorerst nichts zur Rettung des Regenwalds beizutragen.
    • Generell ist der CO2 -Ausstoß von Milchprodukten um ein Vielfaches höher als der von Palmölprodukten (siehe Grafik hier, © Nelles, David; Serrer, Christian (2021): Machste dreckig – Machste sauber: Die Klimalösung.).

Fazit: Margarine in Bio-Qualität, in Maßen

Margarine schneidet im Nachhaltigkeitsvergleich eindeutig besser ab als konventionelle, regionale und Bio-Butter, jedoch sollte bei der Margarine auf Bio-Qualität geachtet werden. Und: das Verteufeln von Palmöl in der Margarine allein bringt nichts: Im Zweifel würden die Flächen für flächenintensivere Öle wie zum Beispiel Sojaöl gebraucht. Viel mehr hilft eine bewusste Auseinandersetzung seitens des Konsumenten und des Produzenten, für welche Produkte man Palmöl überhaupt braucht. Außerdem ist es nachhaltig, weniger zu verbrauchen – zum Beispiel durch weniger Lebensmittelverschwendung. Also: Nur so viel kaufen, wie wirklich nötig. Auch wenn Sonderangebote locken.

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/margarine.html

https://www.demeter.de/milch

https://www.demeter.de/muttergebundene-kaelberaufzucht

https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/22574-rtkl-ernaehrung-warum-butter-noch-viel-klimaschaedlicher-ist-als-fleisch

https://klimaneutral.berlin/sollte-man-von-regionaler-butter-auf-margarine-wechseln/

https://www.oeko.de/oekodoc/328/2007-011-de.pdf

https://utopia.de/test-margarine-bio-palmoel-schadstoffe-64969/

https://vollwert-blog.de/keine-bio-margarine/

https://utopia.de/ratgeber/bio-fair-palmoel-produkte/

https://utopia.de/bestenlisten/margarine-ohne-palmoel/

https://www.bfr.bund.de/cm/343/bestimmung-von-kohlenwasserstoffen-aus-mineraloel-oder-kunststoffen.pdf

https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/lebensmittel/ruckstande_verunreingungen/mineraloel-in-verpackten-lebensmitteln-161848.html


Als Kulturwissenschaftlerin und Absolventin des MBA Sustainability Management setzt sich Tina Teucher mit Nachhaltigkeit und den Megatrends der heutigen Zeit auseinander. Von 2009 bis 2014 war sie leitende Redakteurin des Magazins forum Nachhaltig Wirtschaften. Aktuell berät sie Unternehmen und inspiriert online und vor Ort mit Vorträgen und Moderationen rund um das Thema Nachhaltigkeit.


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