skip to Main Content
Wie Green Events Gelingen

Wie Green Events gelingen

Jede Veranstaltung ist ressourcenhungrig? Stimmt. Wie die Event-Branche Verantwortung übernimmt und Teil der Lösung wird.

In der Eventbranche wird das Thema Nachhaltigkeit als Megatrend der Zukunft bezeichnet. Allerdings sind Veranstaltungen oft nicht nachhaltig – sie sind verbunden mit hohem Ressourcenverbrauch und Emissionsausstoß, sowie Unmengen von Müll: Bei einem Festival mit 80.000 Besuchern entsteht an einem Wochenende so viel Müll, wie eine Stadt mit gleicher Einwohnerzahl in einem Jahr produziert. Ein 200m² großer Tagungssaal verursacht 106 kg CO2-Emissionen am Tag. Auch bei der Verpflegung gibt es Handlungsbedarf: Mehr als die Hälfte der Veranstalter betrachten biologische Produkte als sinnvoll, aber nur 34% der Anbieter stellen diese Option tatsächlich bereit.

Aber was sind die Ursachen für das nicht-nachhaltige Handeln bei der Veranstaltungsplanung? Da ist zum Einen die Macht der Gewohnheit: Vielen Veranstaltern fehlt die Bereitschaft zur Veränderung gewohnter Prozesse. Zum Anderen fehlt ihnen der ganzheitliche Blick: Die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen muss als integraler Unternehmensprozess erkannt und einbezogen werden. Und schließlich fehlt vielen Veranstaltungsplanern das notwendige Know-how, wie sie eine Veranstaltung nachhaltig organisieren und durchführen können.

Welche Kriterien machen eine Veranstaltung nachhaltig?

Entscheidende Kriterien sind:

  • regionale Wertschöpfung, 
  • Energieeffizienz, 
  • soziale Verantwortung, 
  • Abfallmanagement und 
  • Verwendung von umweltfreundlichen und fair hergestellten und gehandelten Produkten.

Was können Veranstalter tun? 

Wer viele Anlässe wie Tagungen, Konferenzen oder Konzerte, Lesungen und Festivals ausrichtet, sollte eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen und ein Nachhaltigkeitsmanagement einführen, das sich mit Standards wie Green Globe, EMAS und ISO 14.001 zertifizieren lässt. Für die deutsche Veranstaltungsbranche gibt es zudem den Nachhaltigkeitskodex fairpflichtet. Die freiwillige Selbstverpflichtung enthält Richtlinien für die nachhaltige Eventorganisation und die Berichterstattung darüber. Organisatoren, die auf Dienstleister zur Unterstützung zurückgreifen, können wiederum auf solche nachhaltigen Qualitätsstandards achten und selbst Maßnahmen in verschiedenen Bereichen treffen:

Mobilität

Die An- und Abreise der Teilnehmer macht einen Großteil des ökologischen Fußabdrucks jeder Zusammenkunft von Menschen aus. Veranstalter sollten darauf achten, dass der Veranstaltungsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und diese Möglichkeit auch aktiv bewerben.  Die Deutsche Bahn bietet Eventorganisatoren an, für ihre Teilnehmer vergünstigte Veranstaltungstickets verfügbar zu machen. Wer Flexibilität ab dem Bahnhof ermöglichen möchte, kann Fahrräder oder Fahrrad-Rikschas für die Teilnehmenden zur Verfügung stellen. Auch die Organisation einer Mitfahrbörse oder Carsharing kann eine effektive Möglichkeit für mehr nachhaltige Mobilität sein. Die nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen aus Mobilität und Energie können Veranstalter berechnen und mit seriösen Kompensationsanbietern ausgleichen. Oft ist es auch möglich, Menschen virtuell zu verbinden: Mit Video-Konferenzen, Keynote-Speeches als live-online-Übertragung oder der audiovisuellen Zuschaltung von Veranstaltungsteilnehmern mittels einfach einsetzbarer Soft- und Hardware. Das Team Karin Burger und sein Experten-Netzwerk bieten Veranstaltern dafür kinderleicht implementierbare Formate an. Das ist auch in Phasen eingeschränkter Reisemöglichkeiten – z.B. aufgrund von Reisewarnungen wegen des Corona-Virus‘ – ein in mehrfacher Hinsicht „nachhaltiger“ Weg, Veranstaltungen trotzdem durchführen zu können.

Verpflegung

Für Essen und Trinken sollten Veranstalter auf „Green Catering“ zurückgreifen. Beim nachhaltigen Catering kommen regionalen, saisonale, fair gehandelte und biologisch hergestellte Leckereien auf den Tisch.  Viele Caterer bieten inzwischen auch rein vegetarische oder vegane Verpflegung an. Einwegbecher und -geschirr sind längst out – wer will schließlich für die LKW-Ladung an Plastik, die jede Minute im Meer landet, mitverantwortlich sein? Auch auf kleine Verpackungs- und Flascheneinheiten lässt sich mit Großgebinden leicht verzichten.

Veranstaltungsort

Der Strom für Green Events kommt aus erneuerbaren Energien. Die Location für die Veranstaltung sollte eine energieeffiziente Gebäudestruktur aufweisen. Die Energieversorgung über das öffentliche Netz ist effizienter und nachhaltiger als über Aggregate. Bei Festivals und ähnlichen Events sollten alternative Aggregate z.B. mit Partikelfiltern und mit Pflanzenöl-Betrieb zum Einsatz kommen. Wassersparende Sanitäranlagen, stromsparende LED-Lampen und ein modernes Heiz- und Kühlsystem machen eine Location nachhaltiger. 

Unterkunft

Eine wachsende Zahl von Beherbergungsanbietern achtet Nachhaltigkeit, z.B. mit energieeffizienter Beleuchtung, Heizung, Kühlung und Geräteauswahl, wassersparenden Duschköpfen, umweltschonenden Pflegeprodukten und Reinigungsmitteln, Müllvermeidung, Recycling, Wäschewechsel und Raumreinigung nur wenn nötig, sowie saisonalem, regionalen Bio-Essen. Veranstalter können ihre Teilnehmer bevorzugt in Unterkünften unterbringen, die eine Umweltzertifizierung vorweisen, z.B. Bio-Hotels, Green Globe, Green Key, Green Pearls oder Destinationen mit der TourCert Zertifizierung.

Material

Viele Events sind einmalig – als Erlebnis mag das attraktiv sein, für die verwendeten Ressourcen heißt das: Sie sind danach „Müll“. Für nachhaltige Veranstaltungen gilt daher der Grundsatz: Vermeiden, reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Wo es geht, sollten Möbel, Dekoration und Ausstattung wiederverwendet werden – wie z.B. der blaue Teppich aus recyceltem Plastik beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis, der seit Jahren im Einsatz ist. Event-Apps mit Infos über Programm, Redner, Aussteller und Teilnehmer sparen viel Papier. Teilnehmer-Geschenke lassen sich von nachhaltigen Anbietern beziehen und z.B. in wiederverwendbaren Beuteln aus Bio-Naturtextilien übergeben.

Soziale Gerechtigkeit

Auch auf der sozialen Ebene lässt sich viel für Nachhaltigkeit tun und kommunizieren: Von Tariflöhnen für das Personal über den Bezug fair hergestellter und gehandelter Produkte bis hin zur Vielfalt im Team und im Teilnehmerkreis. Dazu gehört u.a. die Barrierefreiheit des Veranstaltungsorts und die Unterstützung von Menschen mit Behinderung, ein Übersetzungsservice in andere Sprachen und die diverse Besetzung von Gremien wie z.B. Award-Jurys.

Handprint

Oft spricht man nur vom negativen ökologischen oder sozialen Fußabdruck, den eine Veranstaltung wegen ihres Ressourcen- und Energieverbrauchs hinterlässt. Doch jedes Event, das Menschen zusammenbringt, kann auch eine positive Wirkung für die Zukunftsfähigkeit der Menschheit ausstrahlen: den sogenannten Handprint. Ein solcher „Good Impact“ entsteht z.B., 

  • wenn Veranstalter Redner*innen einladen, die über nachhaltige Lösungen sprechen.
  • wenn der Ausstellungsbereich Innovationen zeigt, mit denen die Teilnehmer in ihren Unternehmen Ressourcen sparen können. 
  • wenn die Teilnehmer mit Kontakten nach Hause gehen, aus denen konkrete Innovationen, Geschäftsmodelle, Projekte oder Aktionen für mehr Nachhaltigkeit entstehen.
  • wenn die erlebten Impulse bei den Teilnehmern und in ihrem Umfeld grundlegende Gewohnheits- und Verhaltensänderungen hervorrufen.

Wenn Veranstalter diese Vision in ihre Zielsetzung einbeziehen, bilden sie mit ihrem Event eine Plattform für echten gesellschaftlichen Mehrwert und tragen aktiv bei zu einer Kultur der Nachhaltigkeit.

Leitfäden zum Thema:

Titelbild: CC by Benjamin Horn, flickr.com

Tina Teucher ist als Moderatorin und Speakerin jedes Jahr auf zahllosen Veranstaltungen präsent. Sie spricht zu Themen wie Megatrends, nachhaltige Innovationen und sustainable Leadership. Die Kulturwissenschaftlerin absolvierte den Master Sustainability Management und ist seit einigen Jahren selbst als Dozentin tätig. Durch die Beratung von Unternehmen kommt Tina Teucher mit unterschiedlichen Unternehmen in Kontakt und kann so aus einem reichen Best Practice-Schatz schöpfen.

Diesen Beitrag jetzt teilen:

Back To Top