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Tonnenweise Verschwendungsstopp

Tonnenweise Verschwendungsstopp

Das Sozialunternehmen innatura rettet große Mengen neuwertiger Produkte und hat einen Weg gefunden, sie an Bedürftige weiterzugeben.


Jedes Jahr wandern neue Produkte im Wert von mehreren Milliarden Euro wegen kleinen Mängeln wie falscher Etikettierung in den Müll. Denn Unternehmen müssten für Sachspenden an Bedürftige Steuern zahlen und zudem den Vertrieb und die Lagerung koordinieren. Seit 2013 gibt es eine Anlaufstelle für solchen Waren: innatura. Das Sozialunternehmen holt die Produkte ab und verstaut sie im eigenen Lager, von dem aus der Versand an gemeinnützige Organisationen koordiniert wird. Letztere bestellen einfach im Onlineshop, was sie brauchen und bezahlen dabei nur 5-20% des eigentlichen Verkaufspreises. Somit bekommen sie laut innatura für 1€ Waren im Wert von 5-6,50€. So konnte innatura bisher Produkte im Wert von 16 Millionen Euro an ca. 1.250 gemeinnützige Organisationen vermitteln.

Unternehmen wie die Beiersdorf AG nutzen innatura, um ihre überzählige Ware gut unterzubringen.

Dr. Juliane Kronen (s. Bild unten) gründete das Sozialunternehmen nach dem Vorbild der britischen Organisation In Kind Direct, die unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles agiert. Auslöser für die Gründung war der Anruf eines früheren Kollegen, der 200.000 falsch etikettierte Shampooflaschen übrig hatte. Das Unternehmen wollte die Produkte unter der Bedingung verschenken, dass sie auf eigene Kosten abgeholt werden und nicht auf dem Schwarzmarkt erscheinen dürfen. Trotz einem großen Netzwerk und viel Mühe, mussten die Flaschen letztendlich weggeschmissen werden, weil in dieser kurzen Zeit die logistischen Strukturen (Lager, Abnehmer etc.) nicht aufgebaut werden konnten. Deshalb entstand innatura. Mittlerweile nutzen über 80 Firmen die Möglichkeit, ihre Waren zu spenden, statt sie zu entsorgen.

Dr. Juliane Kronen, Gründerin der innatura gGmbH, Bild: Karin Desmarowitz

innatura wirtschaftet nach den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Seit seiner Gründung hat innatura 2.000 Tonnen Müll (in Form neuer Produkte) vermieden. Laut einer Studie der Uni Köln aus dem Jahr 2018 profitierten bisher 500.000 Menschen von den Gütern. Somit wirkt das Unternehmen auf allen drei Ebenen der Nachhaltigkeit, denn es spart Müll (Ökologie), Geld von Organisationen (Ökonomie) und unterstützt Bedürftige (Soziales). Im März 2019 wurde innatura mit dem ZEIT WISSEN-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ in der Kategorie „Durchstarten“, weil die Organisation „vormacht, wie man verantwortungsvoll mit Produkten aus kostbaren Rohstoffen umgeht und so Umweltbelastungen einschränkt“, lobt die Jury. Zwar nimmt innatura auch Spenden an, finanziert sich jedoch auch über die Vermittlungsgebühren von den Empfängerorganisationen. Die Versandkosten tragen die Empfänger selbst. Unternehmen, die etwas gegen Verschwendung tun wollen und gemeinnützige Organisationen, die Unterstützung brauchen, können sich bei innatura melden.


Tina Teucher ist Speakerin und Autorin zum Thema nachhaltiges Wirtschaften und Megatrends. Dabei  stößt sie immer wieder auf inspirierende Projekte, die sie als motivierende Beispiele in ihre Artikel und  Vorträge einbringt. Als Gründungsmitglied ist sie am Aufbau von Transition München beteiligt, um nachhaltigen Konsum zum Mainstream zu machen. Als Think Tank 30-Aktive und Vorstandsmitglied bei B.A.U.M. e.V. ist Tina Teucher in ständigem Austausch mit Praktikern über Zukunftsthemen.

Titelbild: innatura


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