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Behalt‘ Deinen Schrott!

Behalt‘ Deinen Schrott!

Haben Waschmaschinen früher nicht viel länger gehalten als heute? Was ist dran am „eingebauten Verfallsdatum“ von Elektrogeräten? Viele Verbraucher haben den Verdacht, dass die Industrie die Lebensdauer von Produkten gezielt verkürzt und so die Kosten für Umwelt und Konsumenten steigen.

Denn egal wie lang er lebt: Irgendwo landet der Elektronikschrott der Welt. Zum Beispiel in Ghana, wo er mit Kinderarbeit in seine Einzelteile zerlegt wird. Um diesen sozialen und ökologischen Wahnsinn von Milliarden Elektrogeräten zu durchbrechen, lohnt es sich schon beim Kauf auf Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit zu achten, Repaircafés zu nutzen und nichts Neues zu kaufen, solange das Bestehende noch funktionstüchtig ist.

Podiumsdiskussion Geplante Obsoleszenz mit Tina Teucher

Die Referenten bei der Podiumsdiskussion zur Geplanter Obsoleszenz wünschten sich mehr Transparenz über die mögliche Lebensdauer von Produkten.

Eine Veranstaltung in den Münchner Kammerspielen am 06. November 2018 widmete sich dem Begriff der geplanten Obsoleszenz, der gezielt herbeigeführten Verringerung der Lebensdauer von Produkten, und fragte: Welchen Ursprung hat die frühe Abnutzung? Werden in Produkte wirklich vorsätzlich Schwachstellen eingebaut? Oder liegt das Problem nicht vielmehr bei den Konsumenten? Und: welche Gegenstrategien lassen sich entwickeln?

Unter dem Motto „Weg damit?! Perspektiven auf geplante Obsoleszenz und Konsumrausch“ diskutierte Tina Teucher unter anderem mit der Psychologin und Soziologin Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben, mit Modeprofessorin Prof. Sibylle Klose und mit dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Christian Kreiß.

Für Prof. Jaeger-Erben lenkt der Blick auf die (angebliche) Planung von Sollbruchstellen von der Rolle und Verantwortung der Konsumenten ab. Der Verbraucher ist für sie ein Teil des Systems.
Wo Menschen sich Wissen und Knowhow verschaffen, z.B. den Aufbau eines Geräts verstehen und sich gegenseitig beim Warten, Pflegen und Reparieren unterstützen, dort könne Veränderung stattfinden. In Repaircafés werde die Trennung zwischen Natur, Mensch und Objekten rückgängig gemacht. Die Teilnehmer fühlten sich wieder kompetent im Umgang mit Dingen. Die Ressource wird wieder etwas wert, Wertschätzung entsteht.

Weihnachtsschrott

In den Kaufhäusern werden schon die nächsten Geräte angepriesen, deren Haltbarkeit in den Sternen steht…

Prof. Kreiß dagegen betonte die ökonomischen Zusammenhänge. Durch die Renditeerwartungen von Investoren stehen die Hersteller unter massivem Spardruck. Bei der Herstellung von Gütern komme es nur darauf an, während der gesetzlichen Gewährleistungsfristen Ausfälle möglichst gering zu halten. Eine längere Lebensdauer von Produkten sei nicht im Interesse der Kapitalgeber. Viele Ingenieure bestätigten ihm, dass die Lebensdauer von Produkten und deren Einzelteilen sehr gut geplant werden kann.

Eine möglichst lange Haltbarkeit sei allerdings oft gar nicht im Interesse der Konsumenten, fügte Prof. Sybille Klose hinzu. Schließlich folgten die Menschen nicht nur in der Kleidung, sondern auch in der Wohnungseinrichtung oder bei technischen Produkten immer neuen Modeströmungen. Menschen kuratierten sich und Ihre Außenwirkung immer neu; Produkte, die möglichst lange halten, seien da nur hinderlich. Dabei sei es gar nicht so schwer, auch ohne ständigen Neukauf Abwechslung in den Kleiderschrank zu bringen: auf Kleidertauschpartys oder in Second-Hand-Läden wechseln auch hochwertige Stücke die Besitzer, in Nähcafés werden Lieblingsstücke nicht nur geflickt sondern auch individualisiert.

Spende an LobbyControl

Spende an Lobbycontrol - Tina-Teucher

Für mehr Transparenz in der Wirtschaft und Politik will LobbyControl e.V. sorgen. Tina Teucher spendete ihr Moderationshonorar an den gemeinnützigen Verein, der u.a. ein Lobbyregister fordert und ein Lobbylexikon pflegt.

Jeder kann den Schrott-Wahn stoppen

Der Diskussion voran ging ein Repaircafé. Teilnehmer, die einen kaputten Toaster, ein plattes Fahrrad oder eine Jeans hatten, die sie schon lange flicken wollten, hatten die Chance einen Gegenstand mitzubringen, den sie dann mit professioneller Hilfe reparieren konnten.

Hans Gall vom Repair Cafe Freimann

Hans Gall vom Repaircafé Freimann

Das Team vom Repaircafé Freimann reparierte mit den Besuchern des Theaterfestivals deren mitgebrachten technischen Problemkinder: Kaputte Wasserkocher, rauschende Kopfhörer und ungleichfedrige Fahrradsattel waren dabei.

Erfolge des Repair Cafés

Erfolgsbuch des Repaircafés Freimann

Etwa 50% der kaputt geglaubten Geräte können Repaircafés wie das in München-Freimann vor dem Schrottplatz retten. Defekt heißt eben nicht tot. Denkwürdig ist dagegen unser dekadentes Denkmuster: Aus einem Defekt folgt oft automatisch ein Neukauf.

Titelfoto: CC by Flickr, BRS MEAS OKO__child_labour_Ghana

Tina Teucher ist Rednerin und Moderatorin für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung. Sie begeistert für grüne Innovationen, die Chancen von Megatrends und Sinnstiftung in Führung und Leadership durch nachhaltiges Management. Tina Teucher ist u.a. Mitglied im ThinkTank 30 (die jungen Denker der Deutschen Gesellschaft Club of Rome) und Alumni des MBA Sustainability Management.

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