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Wasser-Krisen als Chance für die Wirtschaft: Industrie-Lösungen bei der Handelsblatt Wasserkonferenz 2026 in Berlin
Wasserknappheit ist längst kein reines Umweltthema mehr, sondern ein akutes Milliardenrisiko für die deutsche Industrie. Ein Rückblick auf die Handelsblatt Wasserkonferenz in Berlin, bei der führende Köpfe aus Politik und Wirtschaft über konkrete Lösungen für den Standort Deutschland diskutierten.

Tina Teucher moderierte bei der „Wirtschaftsfaktor Wasser“ Konferenz von Handelsblatt und German Water Partnership 2026. (c) Dietmar Gust
Wie gehen Unternehmen künftig mit Wasser um? Am 24. Juni 2026 diskutierten das Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und Politik bei der Handelsblatt Wasserkonferenz in Berlin. Angesichts steigender Nachfrage, geopolitischer Verschiebungen und begrenzter Ressourcen stand die Frage nach einem verantwortungsvollen, effizienten Umgang mit diesem Rohstoff im Mittelpunkt der diesjährigen Wasserkonferenz. Das Event brachte führende Köpfe aus Industrie, Politik und Finanzwelt zusammen, um praxisnahe Lösungen für eine sichere und wirtschaftlich tragfähige Wasserversorgung zu diskutieren. Tina Teucher führte durch das Programm des Tages zusammen mit Handelsblatt-Redakteurin Isabel Wermke und moderierte die drängendsten Fragen der Branche auf der Bühne.


(c) Dietmar Gust
Wasser wird von Umweltfrage zu Wirtschaftsfrage
Wasser ist längst keine reine Umweltfrage mehr, sondern hat sich zu einem entscheidenden strategischen Wettbewerbsfaktor für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Hitzewellen, Überschwemmungen und industrielle Verschmutzung zeigen deutlich: Wasserknappheit ist zu einem akuten Wirtschaftsrisiko geworden. Laut Sven Jung, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsanalyse und Finanzplanung am Handelsblatt-Forschungsinstitut, weisen bereits 60 % der Geschäftsmodelle eine mittlere bis hohe Abhängigkeit von Wasser auf. Im DAX sieht es nicht anders aus: 60 % der dort gelisteten Unternehmen sind wasserabhängig – doch nur ein Drittel von ihnen bewertet dieses Risiko überhaupt. Wenn sich daran nichts ändert, droht nicht nur eine humanitäre und ökologische Krise, sondern allein in Deutschland ein wirtschaftlicher Schaden, der sich bis 2050 auf 20 bis 25 Milliarden Euro belaufen könnte. Dabei würden bereits 15 bis 20 Milliarden Euro an gezielten Investitionen ausreichen, um diese Schäden abzuwenden.
Auch auf globaler Ebene sind die Folgen drastisch:. Dr. Rachael McDonnell, stellvertretende Generaldirektorin für Forschung beim International Water Management Institute (IWMI), warnte eindringlich vor den weltweiten Folgen, wenn sich nichts an unserem Umgang mit Wasser ändert. Eine anhaltende Störung des Wasserkreislaufs könnte das globale BIP bis 2050 in Ländern mit hohem Einkommen um rund 8 % und in Ländern mit niedrigem Einkommen sogar um 10 bis 15 % senken. Die Rede ist von globalen volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von 500 bis 625 Milliarden Euro.



(c) Dietmar Gust
Die Industrie unter akutem Wasserstress
Ein zentraler Schwerpunkt der Konferenz lag auf den massiven Veränderungen, die der zunehmende Wasserstress für die Kernsektoren der deutschen Wirtschaft bedeutet. Vertreterinnen und Vertreter aus der Chemie-, Energie-, Halbleiter-, Stahl- und Lebensmittelindustrie machten deutlich, wie stark sie ihre Produktionsprozesse bereits heute anpassen müssen.
Besonderes Augenmerk lag dabei auf zukunftsweisenden Strategien direkt aus der Praxis. Wie ein solcher Wandel gelingen kann, erläuterte unter anderem Corinna Wolf, Head of Global Sustainability bei der Infineon Technologies AG. In ihrem Impulsvortrag zeigte sie auf, wie Infineon seine neue Smart Power Fab in Dresden zur nachhaltigsten Halbleiterfabrik Europas macht. Durch gezielte Modernisierungen steigert das Unternehmen seine Wasser-Recyclingrate von 32 % auf 45 %. Das Beispiel zeigt, dass Pioniere der Industrie durch konsequente Kreislaufprozesse und innovative Technologien bereits erhebliche Mengen des kostbaren Rohstoffs einsparen können.

Infineon macht Wasser zum Vorstandsthema, berichtete Corinna Wolf Head of Global Sustainability – Infineon Technologies AG. (c) Dietmar Gust
Wasserknappheit als Standort- und Sicherheitsfaktor
In den politischen Debatten der Konferenz diskutierten die Panelisten Wasser als entscheidenden Faktor für die Attraktivität und Resilienz des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Teilnehmenden analysierten die bestehenden regulatorischen Rahmenbedingungen und erörterten, welche Rolle Subventionen und technologische Souveränität in Zukunft spielen müssen. Im Gespräch mit Tina Teucher machten der Botschafter von Ägypten, Dr. Mohamed Elbadri und Mexikos Botschafter Francisco Quiroga deutlich dass die Sicherung der Wasserinfrastruktur längst eine Frage der nationalen Wirtschaftssicherheit geworden ist.
Der Blick über den Tellerrand: Internationale Best Practices
So war ein Mehrwert der Veranstaltung vor allem auch der internationale Erfahrungsaustausch. Die Konferenz richtete den Blick auf Länder und Standorte, die Wasserknappheit bereits seit Jahren erfolgreich in ihre Industrie- und Standortpolitik integriert haben. Für das Publikum und die Diskutierenden boten diese globalen Perspektiven wertvolle Impulse und konkrete Learnings für den Transformationsprozess in Deutschland.
Ein Vorbild aus der Automobilbranche findet sich beispielsweise im spanischen Martorell. Der Volkswagen-Konzern erweiterte dort die zulässigen Betriebskonditionen für die Lackierkabinen, wodurch sich der Energie- und Wasserbedarf – insbesondere in den extremen Sommer- und Wintermonaten – drastisch verringerte. Neben der massiven Wassereinsparung von 46.700 Kubikmetern pro Jahr konnten so zusätzlich Energieeinsparungen von bis zu 5,3 GWh pro Jahr erzielt werden.
Ein Tag mit klarem Handlungsauftrag: Kooperation
Am Ende der Handelsblatt Wasserkonferenz stand eine klare Erkenntnis: Die Herausforderungen sind gewaltig, aber viele technologische und strategische Lösungen existieren bereits. Die Wasserkonferenz zeigte, dass die Zukunft der Wasserversorgung kein unlösbares Problem sein muss, wenn Politik, Wirtschaft und Finanzwelt eng zusammenarbeiten und die ohnehin notwendige Transformation jetzt anpacken.
Mehr zur Konferenz “Wirtschaftsfaktor Wasser” von Handelsblatt und German Water Partnership:
https://live.handelsblatt.com/event/wirtschaftsfaktor-wasser/















(c) Dietmar Gust
Tina Teucher ist Speakerin und Moderatorin für nachhaltiges Wirtschaften. In ihren Keynotes und Moderationen begeistert sie für die Verbindung von Künstlicher Intelligenz, Kreislaufwirtschaft und Megatrends und zeigt die Chancen einer ökologischen Transformation. Als Mitgründerin von Startups sie Erfahrungen aus der praktischen Unternehmensführung mit auf die Bühne.