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Nahaufnahme Auge eines Zebras. Text auf Bild: AI FOR GOOD

AI for Good – Microsoft AI for Earth

Das Unternehmen “AI for Earth” von Microsoft nutzt KI, Machine Learning (ML) und modernen Cloud-Technologien, um Lösungen für Wissenschaft, Landwirtschaft und Artenschutz zu entwickeln.


Künstliche Intelligenz (KI) kann verheerende Konsequenzen für Mensch und Natur haben, wie der Artikel “Green AI? Was der wahre Preis von KI für Nachhaltigkeit bedeutet” veranschaulicht. Doch KI kann genauso gut dabei helfen, Klimaschutzmaßnahmen und Naturschutz voranzubringen. In diesem Beitrag geht es um echte Green AI, also tatsächlich nachhaltige KI.

Die Menschheit und der Planet stehen vor scheinbar unlösbaren Herausforderungen:

Der Verlust der Biodiversität, die Verschmutzung der Meere, die globale Klimakrise und eine wachsende Weltbevölkerung, die die Ressourcen der Erde an ihre Grenzen treibt. 

Es ist weiterhin zu wenig bekannt über die Zusammenhänge innerhalb der Ökosysteme, schlicht und einfach, weil sie mehr als kompliziert sind. Gleichzeitig drängt aber die Zeit.

Neue Hoffnung, durch Künstliche Intelligenz Komplexität zu verstehen

Das Unternehmen “AI for Earth” von Microsoft nutzt die immense Rechenkraft von KI, Machine Learning (ML) und modernen Cloud-Technologien, um Lösungen für existenzielle Umweltprobleme zu schaffen.

Für die vier kritischen Bereiche Landwirtschaft, Wasser, Biodiversität und Klimawandel entwickelt das Team nachhaltige Lösungsansätze. Mit folgenden Beispielen arbeitet AI for Earth daran, dass KI tatsächlich nachhaltig sein kann:

  • Die Landwirtschaft der Zukunft: Um die wachsende Weltbevölkerung nachhaltiger zu ernähren, nutzt das Projekt “Farm Beats” datengesteuerte Ansätze. In Indien und den USA helfen Sensoren, die Feuchtigkeit und Nährstoffe im Boden präzise zu messen. Da herkömmliche Sensoren oft unerschwinglich sind, liefern stattdessen Drohnen präzise Bilder. Ungenutzte Frequenzen alter Fernseh- und Radionetzwerke übertragen die Daten kostengünstig. So entsteht eine detaillierte „Heat Map“, mit der Landwirt*innen Ressourcen effizienter einsetzen und ihre Erträge nachhaltig steigern.
  • Revolution der Kartierung: Die Überwachung von Landflächen ist essenziell für den Umweltschutz, jedoch enorm zeitaufwendig und teuer. KI erfasst nun in nur zehn Minuten die gesamte Fläche der Vereinigten Staaten anhand von fast 200 Millionen Luftbildern. Früher hätte man dafür Monate gebraucht. Die gewonnene Zeit können Forscher*innen sinnvoller investieren, während diese KI-Technologie zukünftig dabei hilft, Urbanisierung, Entwaldung und Umweltkatastrophen zu erkennen und zu steuern.
  • Schutz bedrohter Arten: Die Analyse von tausenden Satellitenbildern oder Kamerafallen, um Tierpopulationen zu erforschen, ist für Forscher*innen eine mühsame Aufgabe. KI übernimmt heute das Sichten der Bilder von beispielsweise Schneeleoparden in Kirgistan oder Elefanten im Kongo. So können sich Forscher*innen auf echte Forschungsarbeit konzentrieren, anstatt nach dem sprichwörtlichen Zebra in der Savanne zu suchen.

Die Bilanz: Kosten und Nutzen von Künstlicher Intelligenz

Die messbaren positiven Umweltauswirkungen sind beachtlich. Bis zum Geschäftsjahr 2024 konnte Microsoft über 6.400 Hektar Land dauerhaft schützen und damit ursprüngliche Ziele um 30 % übertreffen. Das Unternehmen baut um seine Datenzentren herum nachhaltige Ökosysteme auf. Die lokalen Mitarbeitenden restaurieren die Umgebung durch das Pflanzen heimischer Vegetation, die Stabilisierung der Ufer, die Renaturierung von Feuchtgebieten oder der Schaffung grüner Korridore.

KI-gestützte Überwachung identifiziert bedrohte Tierarten. Dies ermöglicht eine schnelle Reaktion bei ökologischen Krisen.

Zudem finanziert der „Climate Innovation Fund“ 90 Wasserprojekte weltweit und zusammen mit Organisationen wie “One Tree Planted” pflanzt das Unternehmen rund 87.000 Bäume, wobei KI die idealen Standorte für das Überleben der Setzlinge berechnet.

Doch die Kehrseite der Medaille ist nicht zu ignorieren. “AI for Good” kostet immer auch Ressourcen – der massive KI-Boom hat seinen Preis:

  • Anstieg der Emissionen: Seit 2020 sind die Gesamtemissionen von Microsoft bis 2025 um etwa 30% gestiegen, primär durch den Bau neuer Rechenzentren getrieben, der große Mengen CO₂-intensiven Beton und Stahl erfordert.
  • Wasserverbrauch: Das Training großer KI-Modelle ist sehr wasserintensiv. Schätzungen gehen davon aus, dass das Training eines Modells vom Kaliber eines GPT-4 etwa 700.000 Liter Wasser zur Kühlung und Stromerzeugung benötigt.

Microsoft bleibt bei seinen ambitionierten Zielen: Bis 2030 will das Unternehmen CO₂-negativ und „wasserpositiv“ sein. Durch den bisherigen Einsatz von “Carbon Removal” entfernte die Firma bereits 22 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre. Unter diesen Voraussetzungen kann Künstliche Intelligenz rechnerisch nachhaltig sein.

KI ist ein faszinierendes Paradox der modernen Gesellschaft: Enorme, negative ökologische Folgen durch massiven Ressourcenverbrauch stehen einem großen, nachhaltigen Impact gegenüber. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die positiven Auswirkungen die Negativen langfristig übertreffen.


Tina Teucher ist Speakerin und Moderatorin für nachhaltiges Wirtschaften. In ihren Keynotes begeistert sie für die Verbindung von Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit und Megatrends und zeigt die Chancen einer ökologischen Transformation. Als Mitgründerin von Startups wie dem Digitalunternehmen Future Cooperative (Produkt: Future Maps) bringt Tina Teucher auch Erfahrungen aus der praktischen Unternehmensführung auf die Bühne.


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