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Kloster Marienberg Ansicht - Vortrag von Tina Teucher - Marienberger Klausurgespräche 2026

Marienberger Klausurgespräche 2026: Wie weiter? Zukunft denken – Verantwortung übernehmen!

Von Tina Teucher

Die 30. Marienberger Klausurgespräche in Südtirol vom 16.-18.4.2026 standen unter dem Leitmotiv „Treffpunkt Zukunft“: Was können wir voraussehen? Was müssen wir fürchten? Was dürfen wir hoffen?


Die drei Tage der Marienberger Klausurgespräche spannten einen dichten Bogen zwischen Reflexion, künstlerischem Ausdruck und gesellschaftspolitischer Analyse. Im historischen Ambiente des Benediktinerklosters Marienberg nahmen sich die etwa 45 Teilnehmenden aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft den Raum für ein vielstimmiges Nachdenken über Zukunft – zwischen Ethik und Sachzwang, Unsicherheit und Hoffnung.

Wie komponiert man Zukunft?

Den Auftakt bildete ein Festkonzert mit der Uraufführung „Atlas der schönen Welten 2“ von Eduard Demetz, interpretiert von einem interdisziplinären Ensemble aus Sprechstimme, Zither, Percussion und Audiotechnik. Die Verbindung von historischen Texten aus dem Kloster und poetisch bis herausfordernden KI-Texten eröffnete einen ungewöhnlichen Zugang zum Thema Zukunft. Die Komposition ließ akustisch und visuell erleben, wie sich Vorstellungen von Religion, Identität und Gesellschaft über die Jahrhunderte veränderten und verändern könnten.

Zuhören als Zutat für gelingende Gespräche

Am Freitagmorgen begrüßten der Präsident der Klausurgespräche, Günther Andergassen, und Abt Philipp Kuschmann die Teilnehmenden und rahmten die Klausur als Ort des gemeinsamen Nachdenkens über Verantwortung. Sie betonten die Bedeutung des Zuhörens im Sinne der Benediktiner Tradition für tiefere Reflexionen und einen offenen Dialog zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven.

Mit ihrer Textperformance „Wessen Zukunft und wie viele?“ setzte Sprachkünstlerin Lene Morgenstern einen eindrücklichen, kritischen Impuls. Sprachlich verdichtet und performativ zugespitzt stellte sie Fragen nach Teilhabe und Perspektivenvielfalt. Die vielfach ausgezeichnete Poetry Slammerin machte deutlich: Gleichheit und Gerechtigkeit liegen weiterhin in der ungewissen Zu Ku Ku NFT.

Die Bedeutung geopolitischer Verschiebungen für die Zukunft

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin widmete sich in seinem Vortrag „Der Epochenbruch – auf dem Weg in eine neue Weltordnung“ den großen geopolitischen Verschiebungen unserer Zeit. Mit politischer Erfahrung und Schärfe analysierte er die Herausforderungen für Demokratie. Besonders hängen blieb bei den Teilnehmenden die Frage, ob Werte wirklich konstruiert seien, sowie über den Kant‘schen Frieden, laut dem demokratische Republiken keinen Krieg gegeneinander führen würden, was der Wissenschaftler Michael Doyle empirisch nachweisen konnte.

Wie geht verantwortungsvolle Zukunft mit künstlicher Intelligenz?

Am Nachmittag richtete Philosophin und Medienethikerin Claudia Paganini den Blick auf Künstliche Intelligenz und die Frage, wie eine verantwortungsvolle Zukunft mit ihr gestaltet werden kann. Zwischen Hoffnung und Sorge entfaltete sie ein differenziertes Bild technologischer Entwicklung. Emotionale, ethische und religiöse Herausforderungen mit neuer Technologie seien seit der Antike bekannt, etwa Ängste vor kulturellem Verfall, Sucht, Täuschung, Trivialität oder Isolation. In ihrem Buch „Der neue Gott. Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche“ analysiert die Theologin, inwiefern monotheistische Gottesvorstellungen wie Einzigkeit und Allgegenwärtigkeit auch auf die KI anwendbar sind.

Megatrends und Zukunftskompetenz – Vortrag von Tina Teucher

Im anschließenden Vortrag sprach Tina Teucher über „Megatrends und Nachhaltigkeit in der Krise“. Sie verband systemische Perspektiven mit konkreten Beispielen und Handlungsansätzen für Transformation.

Dabei zeigte sie auf, wie sich Zukunftskompetenz stärken lässt. Unternehmen stellten sich zukunftsfähiger auf, wenn sie sich mit ihrem Kerngeschäft, Klimaschutz, Kultur, Kreislaufwirtschaft und Kooperation auseinandersetzten.

In der anschließenden Diskussion bewegte die Teilnehmenden, wie sich begründete Hoffnung schaffen lässt und was der Einzelne für strukturellen Wandel tun kann.

Tina Teucher im Interview mit RAI auf den Marienberger Klausurgesprächen

Die Gestaltungskraft des Gesprächs

Der Samstag begann mit einer meditativen Einstimmung in der Krypta, angeleitet von Abt Philipp. In der Stille entstand ein bewusster Gegenpol zur inhaltlichen Dichte des Programms. Dabei öffnete sich der Raum zwischen Wissen und Vertrauen: Man braucht nicht unbedingt wissen, was geschehen wird, sondern den Weg erkennen.

Historiker Werner Plumpe beleuchtete anschließend den Strukturwandel der Weltwirtschaft zwischen Ordnung und Zerfall. Mit historischem Tiefgang verband er Rückblick und Gegenwartsanalyse.
Die abschließende Diskussionsrunde, angeleitet von der Moderatorin Anita Rossi, verdichtete die unterschiedlichen Perspektiven zu einem gemeinsamen Nachdenken über individuelle und strukturelle Verantwortung und Gestaltungskraft. Micki Gruber, die Vizepräsidentin der Marienberger Klausurgespräche, führte die Fäden der Klausur zusammen.

Hinter den Gesprächskulissen

Abseits des Programms sorgte das Küchenteam des Klosters gemeinsam mit den Winzern Sabrina und Heiner Pohl vom Marinushof in Kastelbell für eine hervorragende kulinarische Begleitung. Zudem boten Gelegenheiten wie eine Führung durch die Krypta und die Klosterbibliothek sowie Gottesdienste in der Klosterkirche genügend Raum, die Einrichtungen und Atmosphäre des Klosters näher kennenzulernen und den Austausch informell zu vertiefen.


Die 31. Marienberger Klausurgespräche sind bereits für den 15.-17.4.2027 geplant.

Titelbild und Bilder: Tina Teucher


Tina Teucher ist Nachhaltigkeitsexpertin und Moderatorin für Events. Als Keynote Speaker spricht sie über Themen wie nachhaltiges Wirtschaften, Regenerative Business und Sustainable Leadership. Tina Teucher gründete 2023 den Verein Generation Restoration, der die Wiederherstellung von Ökosystemen und das Empowerment von Geflüchteten fördert.


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