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Erfolgreich In Der VUCA-Welt

Erfolgreich in der VUCA-Welt

Unternehmenskultur ist im „konstanten Wandel“. Welche Rolle hat Führung in veränderungsreichen Zeiten? Eine VDMA-Tagung.

Eine innovative und flexible Unternehmenskultur bildet die Basis für das Bestehen in einer komplexen und veränderungsreichen Umwelt. Doch wie schafft man es, Firmen so umzustrukturieren, dass eine offene und kollaborative Sphäre entsteht, welche Innovationen fast spielerisch entstehen lässt?

Diesen und weiteren Fragen ging Tina Teucher am 9. Mai 2019 im Rahmen der Tagung „Transformation 4.0“ in Frankfurt am Main nach. Die Konferenz, welche der VDMA (Verband deutscher Maschinen- und Anlagebauer) veranstaltete, beleuchtete die Kernpunkte unternehmensinternen Wandels einerseits von Seite der Wissenschaft und Beratung, gab andererseits Impulse aus der betrieblichen Praxis.

Die Transformation 4.0 bezieht sich auf den vierten Wandel im Industriezeitalter. Nach der Erfindung der Dampfmaschine (1), der Einführung von Fließbandarbeit (2) und dem Aufkommen von Computern (3) bringt nun die quasi vollständige Digitalisierung der Arbeitswelt (4) einen weiteren grundlegenden Wandel mit sich. Dafür braucht es in den Unternehmen Fähigkeiten und Kompetenzen, um mit der „VUCA-Welt“ flexibel umgehen zu können. VUCA steht dabei als Akronym für volatility (Unbeständigkeit)‚ uncertainty (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit). Durch diese Entwicklung sind auch Führung, Identität und Kultur in den meisten Unternehmen im Wandel, worauf sich Führungskräfte einzustellen versuchen.

Ein großer Teil des inneren Fortschritts liegt schon im Willen zum Fortschritt.

Seneca

Zu Beginn diskutierte Dr. Josephine Charlotte Hofmann das Thema innovationsorientierte Veränderungsfähigkeit. Dabei ging sie intensiv auf die Bedeutung der Unternehmenskultur ein und machte anhand von Beispielen die Bedeutung von Kultur, Programmen und Ressourcen in der innovationsorientierten Veränderung klar.

Dr. Reinhard Schmitt von Process One Consulting GmbH sprach zum Thema „Transformation auf dem Weg zu Führung 4.0“. Der promovierte Maschinenbauer und systemische Coach erklärte, wie sich die Transformation in kleinen Schritten realisieren lässt. Dafür brauche es v.a. Mut und Räume zum Probieren.

Philip Ebach ist der „Gärtner“ beim Maschinen- und Anlagenherstellers
ACHENBACH Buschhütten. Leiter Personal und Verwaltung sorgt er seit 2016 dafür, dass sich alle „Pflanzen im Garten“ gut entwickeln können. In seinem Vortrag berichtete er aus der Praxis zu Fragen der Organisationsentwicklung & beteiligungsorientiertes Changemanagement – Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Transformation.

Auch Ingo Lewerendt teilte seine Erfahrungen zum Thema Unternehmenswandel am Beispiel der Basler AG. Am Bild der sinkenden Titanic stellte er dar, wie verschieden Menschen mit Veränderungen umgehen – vom alarmistischen Hysteriker über den besonnenen Leader und den zögerlichen Nachzügler bis hin zum untergehenden Abwarter. Für eine erfolgreiche Transformation brauche es eine Mischung aus Kultur, Tools und Führung.

Impressionen und Erkenntnisse des Tages:

  • Unternehmen sollten einen Purpose verfolgen, zumindest aber Orientierung geben.
  • Ein Zielbild sollte möglichst konkret sein und auch abgrenzen, was nicht Ziel ist.
  • Agilität heißt nicht, auf alles was außen passiert, sofort reagieren zu müssen.
  • Umfelder sind einfach, kompliziert oder komplex. Ein Management, das auf komplizierte Situationen spezialisiert ist, scheitert in einem komplexen Umfeld.
  • Bewusst „nein“ sagen ist wesentlich, um Ziele klar zu verfolgen.
  • Innovation: Probiere, erkenne, reagiere („probiere“ ersetzt „analysiere“, weil in der heutigen „VUCA-Welt“ Analyse-Ergebnisse schnell obsolet sind)
  • Die Firma Inditex (Kleidungsmarken wie Zara) wendet im Innovationsprozess den Weg von „probiere, erkenne, reagiere“ an: Bei der Hochzeit des englischen Royal-Paares Harry und Meghan saßen die Mitarbeiter von Inditex vor dem Fernseher und schauten sich an, wer was trägt. Designer zeichneten umgehend Entwürfe, am nächsten Tag starteten die Schneider, Ende der Woche waren die Kleider in kleinen Mengen in den Läden. Stücke, die im Test erfolgreich waren, gingen in die Großproduktion.
  • Kulturwandel: Fehler sind okay, solange man daraus lernt. Lessons-Learned-Handbücher liest niemand. Fuckup-Partys wie bei Google machen Fehler-Kultur greifbar, lebendig, eingängig. Der CEO eines Logistikunternehmen veröffentlicht regelmäßig Videos „Mein Rückschlag der Woche + Learnings“.
  • Leitmotiv für Agilität: Entscheidungen dort treffen, wo sie operativ gebraucht werden
  • Konsensprinzip führt oft zu kleinstem gemeinsamem Nenner aller Komfortzonen. Besser ist das Konsentprinzip, in dem schwerwiegende Widerstände abgefragt werden und einer Begründung bedürfen.
  • Veränderungen angehen: lieber mit Lust als mit Leid.
  • Der Raum prägt die Kultur: Gibt es offene Türen? Austauschplätze? Platz für Zufall?
  • Kunden im Organigramm verankern – kann grundlegend die Kultur verändern.
  • Partizipation führt zu Identifikation. Bei Achenbach Buschhütten durften die Auszubildenden die Ausbildungswerkstatt entwickeln.
  • Viele sind eher „Vorgesetzte“ als „Führungskräfte“. Sind den Mitarbeitern vorgesetzt worden…
  • Ein Abschied aus der Führungsrolle muss nicht ein Abschied aus dem Unternehmen sein. Sinnvoll ist daher ein Dialog über „Bogenkarrieren“: Jemand geht aus der Führungsposition wieder hinaus und wird engagierte Fachkraft, die in dieser Rolle sehr gut aufgeht.
  • Wichtig sind Boxenstopps zum Reflektieren der Führungsrolle
  • Eine gesunde Geschäftsentwicklung kann Geschäftsbereiche „einatmen“ und „ausatmen“ (Divergenz und Konvergenz). An der Geschichte der Basler AG wird erkennbar, dass Erfolg darin bestehen kann, sich auf die Kernkompetenzen zu besinnen und Geschäftsbereiche loszulassen.
  • Kulturwandel für Transformation 4.0 heißt auch, „Empowerment“ für Mitarbeiter, also: Freischalten von Kraft bei jedem Mitarbeiter statt Druck aufbauen, bis sie aus irgendeinem Loch pfeifen.

Mehr Informationen: www.allesbleibt-anders.net


Tina Teucher ist Moderatorin und Kommunikationsexpertin mit dem Schwerpunkt zukunftsfähiges Wirtschaften. Sie moderiert Konferenzen und Tagungen, hält Lehraufträge zu Public Relations u.a. im Studiengang „Sustainability Marketing“ der Hochschule Fresenius und publiziert Bücher und Artikel über gelingende authentische Kommunikation. Als Beraterin für Öffentlichkeitsarbeit begleitet sie Unternehmen aus Branchen wie Chemie, IT und Marketing, aber auch Startups, Sozialunternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Ihr Motto dabei: Erfolg durch Sinnstiftung und gute, zukunftsrelevante Inhalte.


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