Skip to content
Ein Mensch geht über eine Brücke im Nebel

EcoVadis World Tour – Keynote über nachhaltigen Einkauf und Beschaffung

Nachhaltigkeit kann Teil eines resilienten Geschäftsmodells sein. So war der Tenor auf der diesjährigen EcoVadis World Tour D.A.C.H. 2026 am 29. September in Frankfurt am Main. Tina Teucher sprach über drei grundlegende Business-Regeln für eine nachhaltige Beschaffung. Ihre Kernaussage: Wenn Nachhaltigkeit im Einkauf extra kostet, haben wir sie nicht richtig gedacht.


Die Veranstaltung EcoVadis World Tour brachte Unternehmen, Nachhaltigkeitsverantwortliche, Einkaufsprofis und Entscheider zusammen, um über nachhaltiges Wirtschaften zu sprechen und vom Anspruch in die Umsetzung zu kommen.

Im Mittelpunkt standen unter anderem nachhaltige Beschaffung, Resilienz und Dekarbonisierung in der Lieferkette, Sorgfaltspflichten und Berichterstattung. Auch das Thema KI und digitale Transformation fanden Raum, und natürlich die Frage: Welche Themen werden den Einkauf in den kommenden Monaten bestimmen und was bedeutet das für das eigene unternehmerische Vorgehen?

Eine zentrale Botschaft von EcoVadis lautete dabei: Nachhaltigkeitsinformationen sollten in jede unternehmerische Entscheidung weltweit integriert werden. Dafür braucht es die Verbindung von globalem Denken und lokaler Realität sowie den Mut, in die Umsetzung zu kommen.

Tina Teucher Vortrag bei der EcoVadis World Tour 2026 in Frankfurt am Main - CC Sophie Schüler
Keynote-Speakerin Tina Teucher spricht auf der EcoVadis World Tour über Nachhaltigkeit in der Beschaffung

Der Vortrag von Tina Teucher zur nachhaltigen Beschaffung eröffnete neue Perspektiven, wie Nachhaltigkeit im Einkauf unternehmerisch gedacht und umgesetzt werden kann.

Ihre Botschaft: Wir brauchen drei Business-Rechnungen für mehr Nachhaltigkeit in der Beschaffung.

Marge, Risiko, Wachstum – Die drei Business-Rechnungen

In ihrem Vortrag konkretisierte Tina Teucher die drei Rechnungen, die Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit aufstellen sollten.

1. Marge

Die erste Rechnung ist die klassische betriebswirtschaftliche Perspektive: Wo macht nachhaltiger Einkauf unsere Kostenstruktur besser?

Dabei lohnt es sich, weiter zu schauen als nur auf den Einkaufspreis eines Produkts oder Rohstoffs:

  • Wie viel Ressourcenverbrauch, Energie, Material und Verpackung stecken tatsächlich in unseren Produkten?
  • Wo entstehen Ausschuss und Abfälle?
  • Wie effizient sind unsere Logistik- und Produktionsprozesse?

Wer Lieferanten nicht nur nach dem niedrigsten Preis auswählt, sondern gemeinsam mit ihnen auf Effizienz und Ressourcenschonung schaut, kann an vielen Stellen Kostenstrukturen verbessern.

Das ist eine Rechnung, die sich sehr konkret beziffern lässt.

2. Risiko

Die zweite Rechnung ist mindestens genauso relevant: Wo macht nachhaltiger Einkauf unser Geschäft robuster?

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sind. Rohstoffknappheit, Energiepreise, geopolitische Konflikte, Lieferausfälle und neue regulatorische Anforderungen treffen Unternehmen unmittelbar.

Nachhaltiger Einkauf bedeutet deshalb auch, Abhängigkeiten sichtbar zu machen:

  • Wo beziehen wir kritische Rohstoffe?
  • Wie abhängig sind wir von einzelnen Regionen oder Lieferanten?
  • Wo haben wir Single Sourcing?
  • Welche Preise sind besonders volatil?
  • Welche Lieferanten sind langfristig überhaupt in der Lage, unsere Anforderungen an Qualität, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit zu erfüllen?

Echte Resilienz entsteht, wenn wir vor der Krise unsere Lieferketten verstehen, Abhängigkeiten erkennen und gemeinsam mit Lieferanten Lösungen entwickeln.

Um eine weitere zentrale Botschaft des Tages aufzugreifen: Wer wegen Compliance kommt, bleibt wegen Resilienz.

3. Wachstum

Die dritte Rechnung geht noch einen Schritt weiter: Wo macht nachhaltiger Einkauf unser Geschäft besser?

Was wäre, wenn Einkauf aktiv zum Wachstum beiträgt?

Gerade die Zusammenarbeit mit Lieferanten kann dafür ein enormes Potenzial bieten. Lieferanten sind nicht ausschließlich externe Kostenstellen. Sie können Innovationspartner sein:

  • Gemeinsam entstehen neue Materialien, neue Produkte und effizientere Lösungen.
  • Nachhaltigere Produkte können neue Märkte erschließen, den Zugang zu bestimmten Kundengruppen ermöglichen oder bestehende Kundenbeziehungen stärken.
  • Sie können Differenzierung schaffen.

Denn wenn Nachhaltigkeit zunehmend zum Bestandteil von Kaufentscheidungen wird, kann die Fähigkeit, glaubwürdig nachhaltige Lösungen anzubieten, vom regulatorischen Muss zum Wettbewerbsvorteil werden.

Damit verändert sich auch die Rolle des Einkaufs: vom Verhandler über Preise zum strategischen Mitgestalter von Wertschöpfung.

Drei Rechnungen, eine gemeinsame Logik

MARGE. RISIKO. WACHSTUM.

Tina Teucher Vortrag bei der EcoVadis World Tour 2026 in Frankfurt am Main - CC Sophie Schüler
Tina Teucher – Keynote-Speakerin zum Thema nachhaltiger Einkauf bei der EcoVadis World Tour

Die Stärke dieses Ansatzes liegt darin, dass er Nachhaltigkeit in die Sprache des Geschäfts übersetzt.

Die Frage klingt dann anders: „Wie verbessert nachhaltiger Einkauf unsere wirtschaftliche Zukunft?“

Dieser Gedanke begleitet die ganze EcoVadis World Tour: Wenn wir Nachhaltigkeit nur als Ambition formulieren, kommen wir nicht wirklich weiter. Wir müssen sie in Entscheidungen übersetzen, und zwar dort, wo Unternehmen tatsächlich gesteuert werden: in Produkten, Prozessen, Investitionen und Lieferketten.

Die Brücke zwischen globalem Denken und lokaler Realität zu schlagen, wird dabei entscheidend sein. Um die Idee des nachhaltigen Wirtschaftens wieder mit Leben zu füllen, muss sie sich spiegeln in konkreten Einkaufsentscheidungen, Lieferantenbeziehungen und Geschäftsmodellen.

Als wichtige Erkenntnis der EcoVadis World Tour kann hängen bleiben: Nachhaltigkeit verändert die Art, wie wir Rechnungen aufstellen. Wer dabei nur auf Compliance schaut, verpasst das eigentliche Potenzial.

Denn am Ende geht es um drei Fragen:

Wo können wir Marge verbessern?
Wo können wir Risiken reduzieren?
Und wo können wir Wachstum schaffen?

Wenn Einkauf diese drei Fragen systematisch mit Nachhaltigkeit verbindet, wird aus einer Verpflichtung eine echte unternehmerische Chance.

Titelbild: CC Adobe Stock Photo – bearbeitet vom Team Tina Teucher
Bilder: CC Sophie Schüler – bearbeitet vom Team Tina Teucher


Tina Teucher hält Keynotes und Vorträge zu Themen des nachhaltigen Wirtschaftens wie regenerative Business und Zukunftskompetenz. Als erfahrene Moderatorin begleitet sie grüne Veranstaltungen in Präsenz, online oder auch hybrid. Beratend und in Workshops schult Tina Teucher Unternehmen in Nachhaltigkeitskommunikation und sustainable Leadership.


Teilen | Share:

Back To Top